Wenn man so viel Englisch brabbelt, geht’s manchmal durcheinander. Heißt es im Deutschen Respekt vor oder für etwas oder jemanden? Man hört viel für, aber stimmt das eigentlich?

Respekt vor schlägt Respekt für

Bei den lieben Tieren geht es doch: Respekt voreinander zu haben © Pixabay

Es ist eins der großen Schlagwörter dieser Zeit: Der Respekt, den jeder verdient. Sie werden es auch schon festgestellt haben: Man hört viel vom „Respekt für etwas“, z.B. hier bei der Grünen-Politikerin Renate Künast in einem Tweet:

Ich habe Respekt für traditionelle Werte

Und dann erinnern Sie sich schwach an den Deutschunterricht. Da war doch was. Sollte man nicht Respekt vor etwas (oder jemandem) haben, dem Lehrer zum Beispiel? Also in diesem Fall:

Ich habe Respekt vor traditionellen Werten.

Ein anderes Beispiel aus dem Fußball, ein Tweet des FC-Bayern, klingt nicht ganz so falsch, sondern fast schon normal:

Respekt für Eure Leistung.

Respekt vor Eurer Leistung

dagegen klänge schon gespreizt, nicht wahr?

Sie können auch schon den Hashtag #Respekt für verwenden – der tweetet sich ganz ungeniert. Doch es ist nicht nur Twitter. Auch anderen Medien nutzen das für, s. hier die Welt, hier die FAZ und hier die Süddeutsche Zeitung.

Respekt – die Lösung

Was stimmt denn nun? Und wie konnte es zum Wechsel von Dativ zu Akkusativ kommen?

Technisch gesehen ist der Dativ korrekt, wenn Sie einen Blick in den Duden werfen wollen:

Die Definition geht so:

1. eine auf Anerkennung oder Bewunderung beruhende Achtung, bzw.

2. eine Scheu vor jemandem aufgrund seiner höheren, übergeordneten Stellung, die sich in dem Bemühen äußert, kein Missfallen zu erregen.

Als Beispiel wird genannt:

Respekt vor jemandem, etwas haben

Und auch diesmal wieder die Frage nach der Ursache. Drei Thesen:

1. Wird die Sprache simpler?

Reduktion von Komplexität, oder einfacher gesagt: Einfachheit in der Kommunikation liegt seit Jahren im Trend. So wie der Genetiv vor dem Dativ zurückweicht, geht der Dativ zugunsten des Akkusativs zurück – getreu der allgemeinen Beobachtung, dass sowohl Wortschatz als auch Syntax kontinuierlich kleiner resp. simpler werden.

2. Ist es ein Übersetzungsfehler?

Im Englischen, bekanntlich die Verkehrssprache der Neuzeit, spricht man von respect for, siehe hier den Webster online. Wir wissen, wie sklavisch die Deutschen zu übersetzen pflegen. Wenn man viel in der anderen Sprache steckt oder sie sehr präsent ist, fangen die Kleinigkeiten an, ineinander zu verschwimmen. Dazu gehören die Präpositionen. Und zack – hat man die Präposition verändert. For macht aus vor für.

3. Zeigt sich ein Kulturwandel?

Einen interessanten Gedanken fand ich hier: Demnach drückt „Respekt vor jemandem“ etwas überspitzt einen Akt der Unterwerfung aus, wie er auch in der Definition des Duden durch das Wort Ehrfurcht zum Ausdruck kommt.

Wir leben aber in der Welt der zunehmenden Gleichberechtigung. In diesem Sinn wäre für ein Indiz für diesen Kulturwandel. Gleichberechtigte stehen auf einer Stufe, keiner höher, keiner tiefer, auf Augenhöhe, wie so gern formuliert wird, und zollen einander Respekt für ihre Leistungen.

Mit Präpositionen kann auch im Zusammenhang mit Zahlen Verwirrung entstehen.

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