Soll man grammatisch richtig schreiben oder lieber eindeutig – auf sofortiges Verständnis? Eine kurze Diskussion am Beispiel ranked, das eigentlich rankt geschrieben werden müsste. Oder?

Ranked oder rankt: Wenn alle Stricke reißen, können Sie immer noch einstufen schreiben. (Bildschirmfoto)

Wer in sozialen Netzen unterwegs ist weiß, wie schnell das Wort Nazi bei der Hand ist. Wie in Rechtschreibnazi, der sich nicht nur auf Twitter herumtreibt, sondern auch im restlichen Netz, zum Beispiel sogar bei der sonst bürgerlichen Zeit. Ich habe Grund zu der Annahme, wegen dieses Beitrags auch als solcher bezeichnet zu werden.

Doch wer das täte, hätte meinen Punkt missverstanden. Es geht nicht um Regeltreue um der Regel willen. Der Punkt wäre bzw. ist vielmehr Sinn und Verstand, Hand und Fuß, Konsistenz und Nachvollziehbarkeit, wozu auch die Abwägung gehört, ob man grammatische Regeln brechen soll, um möglichst schnell und eindeutig zu kommunizieren.

Google ranked Erstberichterstattung . . . nun besser

lautete kürzlich eine Zeile auf Meedia – s. Bildschirmfoto. Während ich das Fachliche des Beitrags weder bestreiten noch bestätigen kann oder will, kommt es mir auf das Sprachliche an.

Ranked grammatisch

Ranked ist eine Verbform, die im Englischen entweder die Vergangenheit bezeichnet oder ein Partizip darstellt. In der fraglichen Zeile soll es aber im Deutschen ein ganz regulär konjugiertes Verb im Präsens sein, wie geht, sieht oder steht. D.h. hier wird eine englische Schreibung aus ihrem grammatikalischen Kontext gerissen und in einen deutschen gesetzt. Sie sehen jedoch schon an diesen drei Beispielen: Diese Verbform wird im Deutschen gebildet, indem man ein -t an den Stamm hängt, nicht aber, indem man ein -ed verwendet.

Weil wir aber gerade in den Medien halb im Englischen herumdilettieren und die Grammatik der beiden Sprachen fröhlich durcheinanderwerfen, importieren wir eine Verbform, die ähnlich klingt, aber ganz etwas anderes ist, kurzerhand ins Deutsche.

Auch wenn es komisch aussieht, richtig konjugiert müsste da stehen:

Google rankt Erstberichterstattung nun besser

Falls es Ihnen nicht gleich ersichtlich ist, dass englischstämmige Verben beim Konjugieren deutscher Grammatik unterworfen werden, hier ein geläufigeres Beispiel. Erst gestern schickte mir ein Autor einen Beitrag, in dem etwas designt wurde. Oder lassen Sie mich provokant fragen: Ey, checkst Du es nicht?

Rankt ist doppeldeutig

Nun besteht das Risiko, dass der Leser auf den ersten Blick glaubt, das deutsche Verb ranken sei gemeint – wie in: Efeu rankt die Wand hoch.

Klarer wird mein Punkt wohl, wenn man die Zeile weiter konjugiert, z.B. in die Vergangenheit setzt. Nehmen wir an, in ein paar Jahren würde noch einmal zurückgeblickt werden. Dann ginge die englische Importschreibung nicht mehr:

Google rankedte Erstberichterstattung nun besser

Das dt wirkt jetzt eindeutig falsch – ist es ja auch.

Google rankte Erstberichterstattung nun besser

ist die richtige Lösung. Auch hier die Probe: Erst designte jemand etwas, dann checkte er es.

Ranked macht’s eindeutig

Eins aber bringt die englische Schreibung unmittelbar hervor – sie zeigt, dass das englische Wort gemeint ist und nicht das deutsche. D.h. aufgrund der Schreibung versteht das Gehirn sofort (und schneller als in der grammatisch richtigen Schreibweise), welche der beiden Möglichkeiten gemeint ist. Besser noch: Man kommt gar nicht erst auf die Zweite, weil die Schreibweise eindeutig ist. In Zeiten, in denen möglichst viel Information möglichst schnell und richtig übermittelt werden soll, wäre das ein Argument für ranked.

Wer die Schwierigkeiten ganz vermeiden will, wählt ein anderes Wort. Ist ja nicht so, dass daran ein Mangel herrschte. Wie wäre einstufen?

Google stuft Erstberichterstattung nun höher ein

Zugegeben: Das ist nicht ganz so fachlich.

Tja, unter großen Mühen wächst hier zusammen, was nicht zusammengehört; und die Eile, die Halbbildung und die Gefallsucht der Schreiber machen es nicht besser. Wenn ich auf meine kommerziellen, also unjournalistischen Kunden blicke, kann ich von einer immer noch ausgeprägten Vorliebe für die Einhaltung der Rechtschreibung berichten. Vielleicht auch deshalb, weil man damit praktisch unangreifbar ist. Insofern würde ich selbst immer rankt anbieten – samt Erklärung bei Unklarheiten.

Ein anderer Fall, in dem die englische Schreibung die deutsche verdrängt, ist der Plural auf -ie statt -s – wie bei Storys, das sich langsam aber sicher den Stories geschlagen geben muss.

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