Zwischen Weihnachten und Neujahr ist alljährlich die große Zeit der Jahresrückblicke. Wer wollte da zurückstehen? Ich jedenfalls nicht. Lesen Sie also im heutigen Blog-Eintrag den Rückblick 20 – die persönlich-professionellen Top-10-Ereignisse, Einsichten und Entwicklungen, in loser Reihenfolge:

Illustration des Rückblicks 2020

Rückblick 20 in Reinform: Ungefilterte Weihnachtsidylle in der Medienfabrik

  1. Corona ging ziemlich spurlos an mir vorüber – doch nicht an der Sprache. Das Jahr verlief stabil, meine Auslastung war weiterhin gut. Danke an alle Kunden, Freunde und Interessenten.
  2. Erstmals hatte ich im Blog über 7.500 Besucher in einem Monat. Grund war (wieder einmal) The Donald, also US-Präsident Trump, der so gern als Potus twittert und mit seiner polarisierenden Art während seiner vierjährigen Amtszeit die deutsche Journaille auf Trab hielt. Man kam mit der Empörung kaum hinterher, und ich nicht mit dem Erklären.
  3. Die Anglisierung geht fröhlich weiter, was sich z.B. an den Wörtern des Jahres wie Lockdown oder Homeoffice zeigt.
  4. In der täglichen Arbeit merke ich: Das Gendern kommt auf breiter Front. In den heute-Nachrichten hörte ich Petra Gerster eine Pause vor -innen machen; Anne Will sowieso.
  5. Infolgedessen etabliert sich weiter die Tendenz zum Euphemismus: Nichts mehr konkret sagen, jemand könnte sich auf den Schlips getreten fühlen. Nicht unterscheiden, es könnte sich jemand herabgesetzt fühlen. Bitte Fremdwort verwenden, das klingt gehobener; das deutsche Wort hingegen sogleich herabsetzend. Sie reden also beispielsweise von indigener Bevölkerung, wenn Sie Einheimische oder gar Ureinwohner meinen, auch wenn das wesentlich weniger Leute verstehen. – Der Preis sind aufgedunsene Texte, schwerere Verständlichkeit und nachlassende Präzision.
  6. Parallel lässt, soweit es das Content Marketing angeht, der Mut nach. Diverse Beiträge wurden zurückgezogen, weil sie zu heiß waren und interne Kontroversen oder gar einen Shitstorm befürchten ließen. Aus Unternehmenssicht verstehe ich die Zielsetzung, Schaden vom Unternehmen abzuwenden. Als Medienproduzent, der journalistische Mittel verwendet, wünsche ich mir mehr Nutzerfreundlichkeit, wenn es um die Darstellung von Leistungen und Produkten geht.
  7. Ich konnte zwei Jubiläen feiern. 500 Blogbeiträge, zehn Jahre bloggen. Auch dafür Dank an alle Leser und vor allem kritische Begleiter.
  8. Das Home of Content, in dem ich häufig im Schweiße meines Angesichts Medien produziere resp. an ihrer Produktion teilhabe, residiert seit dem 1. September in der Medienfabrik im Westend – s. Bild. Goodbye Neuperlach, wo dereinst beim Bauer-Verlag in der Charles-De-Gaulle-Str. alles begann.
  9. Für die ERGOimpulse, die ich im Auftrag des Home of Content betreue, gab es einen Fox-Award in Gold.
  10. Den Frust des Jahres verursachte der Ärger mit den Bildschirmfotos, die ich gern zur Illustration meiner Beiträge verwende. Einer Anwaltskanzlei gefiel es,  Schadensersatz für fehlende Bildrechte zu verlangen. Ich verstehe, was falsch war, nämlich dass ganze Fremdmotive in meinem Bildschirmfoto enthalten waren. Ich bin gleichzeitig zu der Überzeugung gekommen, dass das Urheberrecht für die Nutzung im Internet weiterentwickelt werden muss, weil es doch auf die Briefmarken überhaupt nicht ankam. Aber erklären Sie das einem Anwalt, wenn er nur Geld eintreiben will.

Das war’s für heute. Mit Blick auf das kommende Jahr verabschiede ich mich mit einem augenzwinkernden „Bleiben Sie negativ“.

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