Gendern kann anstrengend sein. Auf jeden Fall fordert es beim Texten Aufmerksamkeit. Ein Beispiel und drei Fundstücke – ein kritisches, ein unterhaltsames, ein praxisnahes.

(27.5.2017) Zum Glück kommt die Anforderung, geschlechtergerecht zu texten, nicht allzu oft vor. Für jemanden wie mich, der dichte Texte bevorzugt, ist die Redundanz, die strenges Gendern mit sich bringt, ein Graus. Eine allzu starre Regelung führt zu ästhetischen und inhaltlichen Schwierigkeiten, doch mit etwas Überlegung, Geschick und Kompromissfähigkeit lässt sich tauglich texten.

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Der Chefredaktor spricht vom Profi, nicht der Fachfrau (Bildschirmfoto)

Gestern hatte ich Gelegenheit, über eine lustige Stelle zu stolpern. Eric Gujer, Chefredakteur der NZZ, schrieb nämlich in seinem Newsletter über die aktuellen Probleme der Bundeswehr:

Ursula von der Leyen, sonst ein echter Profi, verhielt sich amateurhaft.

Dies ist ein korrekt gebildeter Satz, aber die Ministerin wird –übertragen – als Minister angesprochen. Es ging mir durch den Kopf, wie man den Satz wohl gendern könnte, also die grammatisch männliche Form Profi in eine weibliche überführen. Dann käme man bei wörtlicher Übertragung auf:

Ursula von der Leyen, sonst eine echte Professionelle, verhielt sich amateurhaft.

Und das hat dann prompt ein Geschmäckle, denn Frau von der Leyen ist alles, aber keine Bordsteinschwalbe. Also muss man umschreiben:

Ursula von der Leyen, sonst eine echte Fachfrau, verhielt sich amateurhaft.

Das ist nicht dasselbe, vom Wort her sowieso, aber auch inhaltlich, denn ein Amateur könnte auch ein Fachmann sein, in einem seiner Hobbys zum Beispiel. (Das gilt selbstverständlich auch für die Fachfrau, wobei wir bei der Redundanz wären.)

Ich fing also an, ein bisschen zu graben, und stieß dabei auf drei Stellen im Netz, die ich hier teilen möchte. Die eine, weil ich sie profund finde, die andere, weil sie unterhaltsam ist, und die dritte, weil sie Lösungen bietet.

Drei Fundstücke – kritisch, unterhaltsam, praxisnah
In seinem Aufsatz „Sprachfeminismus in der Sackgasse“ hat Herr Arthur Brühlmeier ein paar eindrucksvolle Beispiele gesammelt, wie Gendern Sprache verunzieren kann. Für alle, die gern ins Grundsätzliche gehen, erklärt er auch noch einmal sachlich die Quelle allen Übels, nämlich den Unterschied zwischen Genus (grammatischem Geschlecht) und Sexus (natürlichem Geschlecht).

In der Gruppe „Deutsch für Profis“ fand ich einen Strang, in dem einige sprachgewandte Xing-Angehörige sich schlagfertig darüber austauschen, wie sich das Wort Mitglied gendern ließe. (Wobei man sagen muss, dass die Frage eine Provokation ist, da das Mitglied grammatisch Neutrum ist und daher in der Realität sowohl Mann als auch Frau sein kann.)

Zum Schluss noch ein Link auf die Webseite der LMU. Dort finden Sie einen Leitfaden, der ohne Binnen-I und Sternchen auskommt, und doch mehr Ausgeglichenheit erreicht. Wahlleute, eine Formulierung von Spiegel Online, gehören nicht dazu.

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