Tag Archives: 2011

(6.11.2011) Endspurt für die Nominierungen für das Wort des Jahres: Der Whistleblower hat dieses Jahr Karriere gemacht, ein Wort, das schwer zu übersetzen ist und deswegen im Original seinen Weg ins Deutsche gemacht hat. Der Whistleblower ist eine verdienstvolle Person, jemand, der ohne persönlichen Vorteil Missstände aufdeckt und sich dabei unter Umständen in Gefahr begibt. Doch wie […]

(3.11.2011) Griechenland und die EU kommen nicht zur Ruhe, ein Krisengipfel jagt den nächsten, Staatsoberhäupter schlagen sich die Nächte um die Ohren. Nichts wünscht man den Beteiligten mehr als eine Atempause, vielleicht ja auch sie für sich selbst. Der fromme Wunsch für die Politiker in Stress, Hektik und unter Druck findet sich verbal auch in […]

Wenn man jemanden verteidigt, steht man auf seiner Seite. Nur im Sport spricht man davon, den Gegner zu verteidigen. Fundstellen aus mehreren Jahren untermauern diese eigenwillige Anwendung. (30.10.2011, aktualisiert 19.11.2020) Die Sportberichterstattung gibt oft interessante Hinweise auf Veränderungen im Sprachgebrauch – so wie gestern das Aktuelle Sportstudio, als es bei den Bundesligaspielen darum ging, wen und […]

(29.10.2011) Immer wenn ich am Eiscafé Domori vorbeikomme, fällt mein Blick auf das Schild über dem Eingang. Es verheißt hausgemachtes Natureis (s. Bild). Daran ist nichts falsch, sondern im Gegenteil alles richtig – jedenfalls technisch. (Und auch nur fast, aber dieser Beitrag handelt nicht davon, mehr statt Mehr zu schreiben.) Denn ich lese meistens erstmal Natur-Reis; erst auf den zweiten […]

Wenn ein Wort nur auf 10.400 Google-Treffer (Stand 26.10.11) kommt, darf man es selten nennen. Dem entspricht auch die Markierung zur Häufigkeit im Duden-Eintrag: Nur einer von fünf Balken. Die Rechtschreibkorrektur kennt es noch nicht und macht undenkbar draus – nur leider will man undeutbar schreiben. Wie das oft ist mit diesen neu geschöpften Worten: […]

Community Manager begleiten Diskussionen im Web, hieß es am Wochenende in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung über diesen neuen Beruf. Dazu gehöre auch, dass sie „Streits schlichten“ – s. Lauftext im Bild. Ein Plural zum Stirnrunzeln! (24.10.2011) Da wollte der Schreiber wohl besonders korrekt sein – denn Streitigkeiten kommen öfter vor,  und dann muss das Wort dazu […]

Rechtzeitig vorm Jahresende und seinen Trendwortwahlen möchte ich auf einen Kandidaten hinweisen, der bis vor einiger Zeit dem Kunstbetrieb vorbehalten war und sich in diesem Jahr stark ausgebreitet hat: kuratieren. (21.10.2011) Der Kurator ist laut Duden der (wissenschaftliche) Leiter einer Ausstellung oder eines Museums. Aber der Zeitgeist hat diese dröge Jobbeschreibung aufgeweicht. Inzwischen ist der […]

(18.10.2011) Als ich kürzlich im Auto meinem Navi zuhörte, sagte die Stimme wieder diesen merkwürdig formal und falsch klingenden Satz: „Sie befinden sich immer noch auf der schnellsten Route.“ Da dämmerte es mir: Wieso eigentlich Route? Das sagt doch so niemand (von der weltfremden Betonung mit der kräftigen Aussprache der letzten Silbe ganz zu schweigen). […]

(14.10.2011) Irgendwann haben wir in der Schule gelernt, dass wir uns nicht wiederholen sollen; das sei schlechter Stil. Seitdem ersetzen wir ein Wort durch ein anderes. So wird aus Boris Becker der Leimener, der Wimbledonsieger und der 17-jährige – so alt war er damals –, wenn wir schreiben. Mal ehrlich: Wenn Sie sich beim Abendbrot mit ihren […]

(11.10.2011) Bundesländer scheinen in ihrer Werbung Wortspiele mit Kalauercharakter zu bevorzugen. „Es muss ein Rock durch Deutschland gehen“ – mit diesem Slogan etwa wirbt aktuell Baden-Württemberg für seine Erfolge in der beruflichen Gleichberechtigung (s. Abb.). Wenn das mal nicht in die Hose geht – denn der Rock ist Inbegriff des weiblichen Kleidungsstücks nach klassischem Rollenverständnis. […]