Wie man mit einer wörtlichen Übersetzung daneben liegt: „no way“ mit „kein Weg“ zu übersetzen ist sprachlich schief und journalistisch schwach. Wer Verständlichkeit will, braucht Sinn statt Silbenzählen.
Ich habe ja schon mehrfach angemerkt, dass alle so tun, als wäre ihr Englisch „verhandlungssicher“. Ebenso oft habe ich Beispiele gesehen, die dieses Selbstbewusstsein als eitles Geschwätz entlarven. Nun liefert ein Kollege ein Paradebeispiel aus dem Übersetzungs-Labor:
Top-Republikaner Johnson sieht „keinen Weg“ für dritte Trump-Amtszeit
Wenn da „kein Weg“ steht, dann meinte Johnson im Original sehr wahrscheinlich no way. Und wer ein bisschen Sprachgefühl mitbringt, merkt: Das ist idiomatisch, und eine wörtliche Übersetzung ist unpassend – es heißt sinngemäß „auf keinen Fall“ oder „keine Chance“, jedoch nicht „kein Weg“.
Was spricht gegen eine deutsche Überschrift mit Bedeutung statt Buchstaben-Zählerei? Zum Beispiel:
- Johnson: „Keine Chance für dritte Trump-Amtszeit“
- Dritte Amtszeit? Trump auf verlorenem Posten
Beides ist knapp, idiomatisch und für Leser sofort verständlich. Die wörtliche Variante klingt dagegen, als hätte man das Wörterbuch rückwärts gelesen.
Übersetzen ist Handwerk – nicht Copy & Paste
Das Problem ist kein Einzelfall. In vielen Online-Redaktionen gilt Übersetzen nicht mehr als Sprachleistung, sondern als Routine. Dabei braucht gute Übersetzung Mut zur Deutung: Kontext erkennen, Ton treffen, Leser führen. Wer idiomatische Wendungen wörtlich nimmt, produziert Stolperfallen statt Klarheit. Wörtliche Übersetzung führt leider in der Mehrzahl der Fälle vom richtigen Weg weg.
Was der Redakteur statt wörtlicher Übersetzung besser machen könnte
- Idiom erkennen: no way ist feststehend – bedeutet „auf keinen Fall/keine Chance“.
- Deutsch denken: Zieltext zuerst – wie würde man es im Deutschen sagen?
- Kürzen statt kleben: Schlagzeilen brauchen Tempo, kein Wörterbuchdeutsch.
- Lesertest: Liest sich die Überschrift laut sinnvoll? Wenn nicht: neu.
Mini-Glossar: typische Stolperfallen
| Englischer Ausdruck | Wörtlich | Idiomatiche Entsprechung |
|---|---|---|
| no way | kein Weg | keine Chance; auf keinen Fall |
| to make a point | einen Punkt machen | ein Argument vorbringen; verdeutlichen |
| to take a stand | einen Stand nehmen | Stellung beziehen |
| to have a stake in sth. | einen Pflock in etw. haben | ein Interesse an etw. haben; betroffen sein |
| to come to terms with | zu Begriffen kommen | sich mit etw. abfinden; zurechtkommen |
Fazit
Wer Sprache formt, formt Verständnis. Und wer „no way“ zu „kein Weg“ verdreht, zeigt, wie schnell Sinn hinter Silben verschwindet. Die gute Nachricht: Mit ein bisschen Mut zur Bedeutung lässt sich das sofort ändern.
Hier geht’s zur Quelle. Und hier zu weiteren Beispielen.
