Manche Verben stehen mit mehreren Präpositionen. Wann heißt es leiden an, wann leiden unter etwas? Das machen auch Profischreiber falsch, lässt sich aber leicht merken.

leiden unter Kopfschmerzen: Unlogisch, aber richtig

Leiden als Stichwort: Whiteheads Roman handelt von der Sklaverei in den USA

(6.7.2011, Nachträge 7.7.2011, 6.8.2017, 15.12.2017) Heute berichtet die Süddeutsche Zeitung auf der Titelseite vom Tod des amerikanischen Malers Cy Twombly. Twombly, der mit 83 starb, habe seit längerem unter Krebs gelitten, heißt es in der Meldung.

Manche Verben werden je nach Bedeutung mit verschiedenen Präpositionen gebraucht. Dazu gehört das Verb leiden, das mit an und unter stehen kannWann welche Präposition die richtige ist, verwechseln auch Profis – so auch in dem SZ-Beispiel–, ist aber eigentlich leicht zu unterscheiden. Bedauerlicherweise äußert sich nicht einmal ein renommiertes Institut wie der Duden deutlich zum Unterschied, sondern gibt nur nach Bedeutung, nicht aber nach Präposition geordnete Beispiele.

Leiden unter für das große Ganze, leiden an für das Persönliche

Wenn das große Ganze (oder ganz Großes) die Malaise auslöst, also etwas außerhalb der eigenen Sphäre, leidet man unter etwas. Einem ungerechten Regime, um ein Beispiel zu nennen, unter schlechten Arbeitsbedingungen oder unter der Hitze.

Wenn die eigene Person die Ursache ist,  leidet man an etwas. Liebeskummer etwa. An Nervosität. Oder an Krebs. So wäre es in der Meldung richtig gewesen. Unter Krebs ließe sich nur leiden, wenn es sich beispielsweise um einen Vorgesetzten dieses Namens handelte. Okay, das war ein Kalauer, über dessen Qualität man diskutieren kann.

Leiden unter – mit einer Ausnahme

Nachtrag, 7.7.2011: Es hat sich eine Ausnahme gefunden – man leidet unter Kopfschmerzen.

Nachtrag, 6.8.2017: Weil dieser kurze Beitrag zu den meistgeklickten dieses Blogs gehört, habe ich ihn für den eiligen Leser mit Zwischentiteln ausgestattet. Tipp: Oft besucht wird auch die Bedeutung von kongenial.

Nachtrag, 15.12.2017: Nun habe ich endlich einen Beleg für die Ausnahme gefunden. Wieder einmal in einem langlebigen Medium, einem dieser gedruckten Dinger von früher, Bücher genannt. In Colson Whiteheads aktuellem Roman „Underground Railroad“ findet sich auf S. 120 der gebundenen Ausgabe der an und für sich unspektakuläre, aber in diesem Zusammenhang wichtige Satz:

Ihr wurde bewusst, dass die Kopfschmerzen, unter denen sie seit Terence`Schlägen gelitten hatte, nach ihrer Ankunft in South Carolina verschwunden waren.

Jetzt mögen Sie einwenden, dass ein Beleg noch keine Garantie für Richtigkeit ist. Ich gebe zu bedenken, dass die Schlusskorrektur im Hanser Verlag im Allgemeinen gut und gründlich arbeitet. Auch der Übersetzer ist in der Regel jemand, der die deutsche Sprache zu beherrschen pflegt. Vertrauen wir darauf, dass diese geballte Kompetenz zu einer richtigen Verwendung des Verbs leiden geführt hat.

Und wenn Sie sich fragen, ob ich nicht kürzlich erst einen Pulitzer-Preis-Gewinner als Beispiel für einen Spracheintrag benutzt habe, dann liegen Sie richtig. Es ging um den Konjunktiv des Monats, und das Buch war Richard Russos „Empire Falls“.

One Response to Leiden an und leiden unter – der kleine Unterschied
  1. […] mit eingeschränkter Wortwahl zu tun. Was leiden an etwas vom leiden unter etwas unterscheidet, hier. Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Trends abgelegt und mit 2012, Sprachgebrauch […]


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