Einfach vor schön: Nach diesem Motto werden englische Begriffe auf Biegen und Brechen wortgetreu übersetzt, ohne auf das sperrige Ergebnis zu achten. Ein weites Feld sind Verneinungen: Wenn aus non Nicht wird – und es meistens ein treffendes deutsches Wort gibt.

(3.7.2011) Freitag Abend verlas Torsten Schröder in der Tagesschau die Nachricht, dass Deutschland als nicht-permanentes Mitglied des UN-Sicherheitsrates den Vorsitz des Gremiums übernommen hat. Nicht-permanent – dafür kennt das Deutsche ein schönes Wort: vorübergehend.

Oder, wem das nicht förmlich genug ist: Schröder hätte auch lesen können, dass Deutschland als Land ohne ständigen Sitz den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat übernommen hat. Mit ohne geht’s, das Nicht- braucht es nicht. Das wäre auch untypisch für das Deutsche, wo, wenn man schon verneinen will, die Vorsilbe Un- üblich ist.

Die Vorlage: der non-permanent member . . .

Die Ursache ist – wieder einmal – das Original: In der UN-Amtssprache Englisch spricht man vom non-permanent member. Und das wurde brav wortgetreu übersetzt, ohne an die schönere Lösung zu denken, die die sperrige Verneinungsform vermeidet.

. . .  und die non-starchy vegetables

Die Tagesschau-Redaktion ist damit nicht allein, der Trend ist schon länger auf dem Vormarsch. Ein anderes Beispiel vom selben Tag, diesmal von der Wissensseite der Süddeutschen Zeitung: In einem Artikel über Diabetes ist davon die Rede, dass eine radikale Diät auf Basis nicht-stärkehaltiger Gemüse die Krankheit überwinden kann. Die Studie, auf der der Bericht basiert, stammt aus England, im Original stand da non-starchy. Nicht-stärkehaltiges Gemüse – das wäre im Deutschen zutreffend stärkefreies oder stärkeloses Gemüse.

Inzwischen verselbständigt sich die Übersetzungsmarotte und wird ohne Not auf urdeutsche Worte angewendet: Wenn es für eine Mannschaft um den Nicht-Abstieg geht, dann lässt sich ebenso gut vom Klassenerhalt schreiben oder sprechen. Oder dass sie gegen den Abstieg spielt. An Alternativen mangelt es meistens nicht.

8 Responses to Keine Nicht-igkeit: Wenn aus non Nicht wird
  1. Hey, ich bin mal so frei und poste mal was in deinen Blog. Sieht schnieke aus! Ich bin auch seit einige Zeit mit WordPress beschaeftigt verstehe aber noch nicht alles. Dein Blog ist mir da immer eine tolle Inspiration. Danke!

  2. @ Marlon:

    Danke, freut mich, wenn Dir mein Blog gefällt. WordPress ist gut, aber in speziellen Anforderungen nicht ohne. Viel Spaß beim Basteln.

  3. Ich versuche zur Zeit meinen Feed Reader zu fuettern, wie finde ich den hier die URL zum RSS Feed ?

  4. […] sich nicht-stärkehaltig und nicht-permanent umgehen lassen, habe ich hier beschrieben. Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Stil, Tipps, Trends abgelegt und mit 2012, […]

  5. […] ich erstmals über diesen Befund gebloggt habe, habe ich in den vergangenen Wochen und Monaten weitere Belege gefunden, die ich heute hier […]

  6. […] In dem Zusammenhang spricht er von Nicht-Schuld, ein beliebter Trend mit Wurzel im Englischen, doch das Wort heißt […]

  7. […] den Gründen des Phänomens findet sich in einem früheren Blog-Beitrag bereits etwas. In einem weiteren Beitrag […]


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