. . . und für das Untersagen. Das Verbot täuscht Autorität vor, als Wort ist es steif und hart. Plädoyer für eine Alternative und Beispiele mit Synonymen.

Das Wort Verbot ödet mich an.

Verbot: Feind der Freiheit, Verkörperung sprachlicher Monotonie (Bildschirmfoto)

Der Deutsche hat gern Verbote. Dann ist alles geregelt, die Welt unter Kontrolle. In Verboten zeigen sich seine Vorliebe, anderen vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben, seine Neigung zur Prinzipienreiterei sowie sein Gerechtigkeitsempfinden (um den hässlichen, provokanten Terminus der Gleichmacherei zu vermeiden).

Aber man kann nicht alles regeln, und soll es auch gar nicht. Als Freund der Freiheit sage ich sogar, dass sich nicht alles regeln lässt, weil Menschen Individuen sind. Wer alles regeln will, begrenzt, ja beerdigt am Ende jeden individuellen Handlungsspielraum. Das kann man vernünftigerweise nicht wollen.

Sie kennen das Verbot nicht nur von Mietskasernen oder Grünanlagen, in denen das Betreten des Rasens verboten ist, sondern auch und zuletzt vor allem aus der Politik. Von der banalen Geschwindigkeitsbegrenzung bis zum globalen Klimawandel: Wenn es um darum geht, Verhalten und Lebensstil großflächig verändern zu wollen, helfen offenbar nur Verbote, weil der Mensch sich nicht den Geboten einer höheren, abstrakten Vernunft fügen will. So scheint es jedenfalls. (Okay, manchmal versuchen sie es auch mit einer Vorstufe, dem sanften Stups.)

Abgesehen von solch grundsätzlichen Erwägungen ist das Wort selbst barsch und strahlt Autorität aus, ist hart, steif und kalt und verströmt den Geist von Herrscher und Untertan.

Wie sieht die mediale Praxis aus? In der Berichterstattung wimmelt es von Verboten – beispielhaft drei Schlagzeilen:

Verbot von Großveranstaltungen bis Ende Oktober verlängert (n-tv)

Kabinett plant Einwegplastik-Verbot (n-tv)

Karlsruhe bestätigt Verbot von Gottesdiensten (Süddeutsche Online)

Das Verbot vermeiden

Daher heute meine Plädoyer für ein Synonym, von dem ich mich frage, warum es so selten gebraucht wird, und von dem ich fürchten muss, dass es das aktive Vokabular des durchschnittlichen Redakteurs übersteigt. Ich spreche von untersagen. Dieses feine, starke Verb kommt – bedauerlicherweise – wesentlich seltener vor als das grobe verbieten.

Sein Einsatz ginge so:

 Großveranstaltungen bis Ende Oktober untersagt

Kabinett will Einwegplastik untersagen

Karlsruhe untersagt Gottesdienste

Der Deutsche liebt auch seine Substantivierung, die er Verben vorzieht. Zu untersagen gibt es kein Hauptwort, bzw. mit Untersagung nur ein sinnloses, im Gegensatz zum Verbot, dem Substantiv zu verbieten. Vielleicht ist das ein weiterer Grund, warum verbieten häufiger als untersagen ist.

Verbote – was tun?

Doch man muss sich nicht auf untersagen beschränken; wäre ja auch eintönig. Wie so oft hilft anderweitig, um die Ecke oder weiterzudenken, nach dem Sinn zu fragen – und schon kommt die rettende Idee. Die Alternativen sind in der Regel kompakter, besser verständlich und verdanken sich jeweils einem anderen Synonym:

Keine Großveranstaltungen bis Ende Oktober

Kabinett plant Einwegplastik-Abschaffung

Karlsruhe bestätigt Absage von Gottesdiensten

Was hilft das unabhängige Denken gegen die tidenhafte Kraft der Trends? Oft sind Worte einfach in Mode, was auch auf das Verbot zutreffen dürfte. Ebenso die Wendung vom mutmaßlichen Täter, den man zu anderen Zeiten schlicht und ergreifend als Verdächtigen bezeichnet hätte.

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