So, hier ist der erste Kandidat für das Unwort des Jahres. Der geneigte Leser verfolgt sicher die politische Debatte: Die Union möchte ein Betreuungsgeld für Familien einführen, deren Kinder keinen Kindergarten besuchen, und Kritiker befürchten Fehlanreize.

Erstens, weil das Betreuungsgeld als eine Art Gehalt für mütterliche Erziehungsleistungen verstanden werden könnte, die dadurch davon abgehalten werden, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Nicht, dass man von den 150 Euro monatlich, um die es geht, leben könnte, aber der gedankliche Ansatz ist: Hier werde eine Herdprämie ausgelobt, und damit ein überholtes Frauen-, Rollen- und Familienbild gefördert.

Seine Pikanterie entfaltet das Betreuungsgeld im zweiten Aspekt. Nach den Regierungs-plänen sollen es sich Hartz-IV-Empfänger anrechnen lassen. Begründung: Fehlanreize, womit nichts anderes als die Befürchtung gemeint ist, dass, um es in den Worten Harald Schmidts zu sagen, Mami und Papi die Kohle für Schnaps, billiges Bier und Zigaretten in den nächsten Penny tragen, statt es für ihre Kinder auszugeben. Oder sich selbst eine Opernkarte zu kaufen, wie Wohlmeinende es sich wünschen, wenn sie von Teilhabe sprechen.

Das darf man nicht so offen sagen, weil solche Äußerungen als herablassend, verächtlich und klischeehaft gelten würden, selbst wenn die Vermutung realistisch wäre. So verwendet man ein Hüllwort – und spricht vornehm und politisch korrekt vom Fehlanreiz.  Ob das Wort am Jahresende auf den Unwort-Listen auftaucht, wird davon abhängen, wielange sich das Betreuungsgeld in der Diskussion hält.

One Response to Unwortkandidat Fehlanreiz
  1. […] eng verwandt ist die Gentrifizierung, und meinen ersten Kandidaten für ein Unwort 2012 finden Sie hier. Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Trends abgelegt und mit 2012, […]


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