Fußballstar Gomez (Ausschnitt): Nur einer ist unersetzlich

Ich habe schon ein paarmal über den Trend zu vertauschten Adjektiv-Endungen (von -lich zu -bar) geschrieben; auch über den Trend zur Einwort-Überschrift, den Zeitungen im Versuch, Hintergrundgeschichten zu bringen, verstärkt und manchmal auf die Spitze treiben. Vor kurzem machte mir die Süddeutsche Zeitung das Geschenk, über beides gleichzeitig zu bloggen.

Unersetzbar

lautete nämlich die Einwort-Überschrift über dem Aufmacher im Sportteil. Nur – um wen geht es eigentlich? Dafür muss man schon die Subline lesen oder auf das Foto schauen: Stürmer Mario Gomez, dessen Tore Bayern München bis ins Champions League-Halbfinale gebracht haben. Zugegeben: Eine Übertragungsleistung, die man von einem durchschnittlich sportinteressierten Leser erwarten darf. Aber wer Gomez nicht kennt oder nicht gleich erkennt, muss erstmal das Intro lesen.

Information wird teurer . . .

Die neue Strategie besagt, dadurch würde der Leser geradezu gezwungen, sich der Geschichte zuzuwenden. Nur dass man mit der Logik Headlines und Intros auch kleiner drucken könnte, damit der Leser genauer hinschauen muss. In die Überschrift sollte man deshalb das Wichtigste legen, und dazu gehört die Information, um wen es sich handelt. Anders gesagt: Die Kosten der Informationsbeschaffung steigen, je mehr Zeit ich dafür aufwenden muss. Ein-Wort-Überschriften sind ökonomisch unterlegen.

. . . wenn die Headline austauschbar ist

Problematisch ist die Schlagzeile außerdem, weil sich mit unersetzbar auch eine Geschichte über Angela Merkel betiteln ließe, oder über Günter Jauch (als Millionär-Moderator), über Ferdinand Piech (als VW-Aufsichtsratsmitglied), Sven Regner (als Element-of-Crime-Sänger) oder oder oder. Sie sehen schon: Unersetzbar ist austauschbar, eine gute Headline ist es nicht.

Das Wort selbst hat sich im Duden schon genauso etabliert wie das ursprüngliche unersetzlich. Vielleicht wird mein Zweifel an der Wortwahl klarer, wenn wir den Beispielsatz des Duden betrachten:

Er hielt sich für unersetzbar.

Das klingt fremd; vertrauter ist die Wendung, die auch schon Herbert Grönemeyer sang:

Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich.

Bevor mich jemand nach dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz auf Diskriminierung verklagt: Frauen auch. Das soll’s dann zu beiden Themen bis auf weiteres gewesen sein.

One Response to Mit einem Wort: Unersetzbar (Mario Gomez)

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