Neue Worte sollen notwendig sein. Welchen Zugewinn bringt unübertreffbar?

(9.11.2013) Über die Tendenz, aus Adjektiven mit der Endung -lich solche zu machen, die auf -bar enden, habe ich schon ein paarmal gebloggt. Als Beispiel sei verstehbar statt verständlich genannt. Heute aber, auf der Wissensseite der Süddeutschen, (und gestern bereits online) hat mich eine Autorin mal wieder so ausgeknockt, dass ich dem Trend einen weiteren Beitrag widmen möchte. Sie schreibt von den

unübertreffbaren Vorzügen des Wortes „Hä“.

Unübertreffbar? Das gibt es nicht mal im Duden, wie ich eben herausgefunden habe, und das will heutzutage schon was heißen, denn der Duden hat sich mehr zu einer Wortsammlung gewandelt; die Zeit einer selektiven Distanz ist lang vorbei (und ich begrüße das). Als erstes fiel mir ein, dass es unübertrefflich heißt, als zweites aber, dass hier die Partizip-Lösung noch besser ist: unübertroffen. (Vgl. unbestreitbar-unbestritten). Das Wort ist insofern ironisch, als die Autorin im Artikel mit Sprachästhetik argumentiert („Wie bitte?“). Allerdings macht sie sie sich nicht selbst zu eigen.

Notwendigkeit als Kriterium

Worauf fußt nun meine Kritik? Ich meine, neue Worte müssen notwendig sein, in dem Sinn, dass ein neues Wort etwas bezeichnet, das mit bisherigen Worten nicht bezeichnet werden konnte. M.a.W. es sollte ein Informationsgewinn entstehen, oder alternativ ein Effizienzgewinn, d.h. ich kann mit einem neuen Wort einen Sachverhalt knapper ausdrücken. Wozu also unübertreffbar sagen, wenn es inhaltlich nichts Neues hinzufügt oder keine Verdichtung vorliegt?

Sehr schön auch: Unersetzbar. Beliebt: Erwartbar.

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