Jeanswerbung (in München, linker Teil): Shoppen ohne zu denken

(21.4.2012) Wenn ich in der U-Bahn umsteigen muss, habe ich Gelegenheit, die Plakatwerbung zu studieren, während ich auf den nächsten Zug warte. In letzter Zeit fällt mein Blick regelmäßig auf ein großes Plakat von Jeans-Kaltenbach, einem alteingesessenen Mode-Einzelhändler in der Münchner Innenstadt. Auf der linken Bildhälfte wirbt das Unternehmen mit einer Gruppe von drei Mädchen und zwei Jungs, die es sichtlich glücklich macht, am Isarstrand Jeans zu tragen. Warum im Konzept nicht darauf setzen, dass sich die gute Laune auf das Image des Handelshauses und das Shopping dort überträgt?

Plakat (rechter Teil): Koppeln oder nicht, das ist nicht die Frage!

Auf der rechten Seite gibt es ein bisschen Text. Die Menge geht in Ordnung, sie ist auf das Nötigste beschränkt, man kann sie schnell genug auf- und wahrnehmen, bevor die nächste U-Bahn einfährt. Kundenfreundlich gibt es einen Lageplan, für Smartphone-User hat man dran gedacht, den Facebook-Link zu bringen. (Nur: Wer tippt den ab? Ein QR-Code wäre gut gewesen. Und was gibt es auf Facebook Besonderes? Ein Teaser wäre auch gut gewesen.)

Dieser Beitrag verdankt sich der kuriosen Tatsache, dass die Möglichkeit des Koppelns an drei direkt aufeinander folgenden Stellen unterschiedlich gehandhabt wurde. Nicht, dass dieser Umstand irgendwas an der Kaufentscheidung der Kunden, dem Erfolg der Werbung oder dem des Geschäfts insgesamt ändern würde – aber ich frage mich als Texter unwillkürlich, wie es wohl zu dem Ergebnis kam. Schauen wir uns den Fall von oben nach unten an:

Top-Beratung gekoppelt, okay; korrekt, nachvollziehbar. Aber kein Muss: Man hätte auch Topberatung schreiben können. Warum ich das betone? Weil gleich das übernächste Wort Jeansspezialist zusammengeschrieben wird. Das ist grammatisch in Ordnung, man hätte aber, der leichteren Lesbarkeit wegen, Jeans-Spezialist schreiben können. Und es wäre analog zur Top-Beratung gewesen.

Nur eine Zeile weiter, wird der Online Shop dagegen ungekoppelt auseinander geschrieben. Ja, was denn nun? Jeder schreibt, wie er will, daran hat man sich gewöhnt. Insofern sieht man auch ungekoppelte Substantivreihungen, oft in Verbindung mit Marken- oder Eigennamen, RTL Shop, Harald Schmidt Show oder BMW Open z.B. Doch eine einheitliche Methode innerhalb eines Plakates wäre schön, zumal hier der Markenname fehlt. Online-Shop wäre grammatisch korrekt und einheitlich gewesen.  Wahrscheinlich war eine Mischung aus Ignoranz und Unsicherheit Ursache. Knorr macht es so, Koppeln für bessere Lesbarkeit ginge so.

One Response to Bindestrich, oh binde mich (3): Koppel-Konfusion
  1. […] möchten tiefer nach dem wundervollen Stilmittel Bindestrich buddeln? Bitte hier entlang. Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Rechtschreibung, Tipps abgelegt und mit 2012, […]


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