Rückantwort (auf Einladung): Zweimal ist zweimal zu viel.

Neulich war eine Einladung zu einem Designevent in der Post. Ich vermute, wir können uns rasch darauf einigen, dass eine Einladung eine (An-)frage ist, auf die ich antworte, wenn ich zu- oder absagen möchte. Auf dem Antwortformular aber stand Rückantwort (s. Bild). Eine Antwort beinhaltet das rück, sie schließt den Kreis der Kommunikation – das Wort ist tautologisch und der Informationsgehalt seiner ersten Silbe null. Wenn das in einer Mail passiert, bei der es schnell und hektisch zugeht, macht es mir nicht viel aus. In diesem Fall aber wurde etwas gedruckt, was bedeutet, dass es geschrieben, Korrektur gelesen und schließlich zum Druck freigegeben wurde. Und die Anmeldung enthielt die Rückantwort nicht nur einmal, sondern im Lauftext gleich nochmal.

Motive: Verdeutlichung und Verstärkung

Thomas Steinfeld schreibt in seinem Buch „Der Sprachverführer“ (S. 172): „Wiederholungen gibt es überall in der Sprache, meist der Deutlichkeit, oft des gesteigerten Ausdrucks wegen, von „mucksmäuschenstill“ über „Bauchnabel“ bis „Fußtritt“, von „vorprogrammieren“ bis „abverkaufen“, von hinzuaddieren bis auseinanderdividieren. Ich würde die ersten drei von den folgenden trennen. Erstere gehören zu einer Gruppe, die bildhaft wirken, weil sie ein konkretes Substantiv wie Maus, Bauch oder Fuß nutzen; letztere dagegen erzeugen kein Bild, sondern stellen nur eine Silbe vor den Stamm – vielleicht verstärkend, stärker aber redundant.  Am stärksten nehme ich sie als gedankenlos wahr – wir kommunizieren in Worthülsen. In der Rückantwort kann ich schwach eine Verstärkungsabsicht erkennen, nur wozu? Anmeldung/Antwort wäre doch sogar noch alliterativ gewesen.

Der Sieg der Verwaltung über Sinn und Schönheit

Tautologie-Rückantwort-Stadt-München

Rückantwort (in Verwaltungsschreiben): Porto bereits bezahlt

Nicht nur PR-Agenturen nutzen die Rückantwort gern, auch Beamten  bedienen sich ihrer, wie aus dem Schreiben hervorgeht, das die ehrwürdige Landeshauptstadt München damit versehen hatte (s. Abb.). Was wohl die Ursache ist? Ob die Rückfrage eine Rolle spielt, die in reflexhafter Analogie auf die Antwort übertragen wird? Und die es gibt, weil sie – anstelle einer Antwort – eine alternative Reaktion auf eine Frage ist? Wohl kaum. Jetzt der Clou: Der Duden erkennt die Rückantwort anstandslos an, weil sich dahinter eine bereits frankierte Postkarte verbirgt. Da muss man den Sieg der Bürokratie über die Sprachästhetik neidlos anerkennen, aber den Beamten, der diese Entscheidung einst Verwaltungswirklichkeit werden ließ, zu einem Kurs in Sprachlogik strafversetzen.

Schluckauf vom Einzelindividuum

Doppelt gemoppelt? Wie hässlich. Ich läse Rückantwort gern seltener und muss derweil den Schluckauf lindern, den das Auftauchen des Einzelindividuums im Duden ausgelöst hat. Warum man nicht selten den männlichen Flugbegleiter und die weibliche Sängerin findet, habe ich in doppelt gemoppelt (1) beschrieben.

5 Responses to Doppelt gemoppelt (2): Die Rückantwort
  1. […] Hier geht es zu einer anderen, unter den Besuchern dieses Blogs oft gesuchten Redundanz – der Rückantwort. […]

  2. […] dem Zusammenhang:  Was heißt eigentlich gegengeprüft? Klassische Redundanz a la Rückantwort. Wer formuliert eigentlich solche krummen Sätze in einer Korrekturmeldung. Ich finde diese […]

  3. […] eine weitere Mitarbeiterin ist mit der Sache befasst und schickt mir eine Rückantwort. Ich deute das als Indiz, dass es einen weltweiten Kundendienst von Kalifornien bis Rumänien gibt […]

  4. […] geschätzten Kollegen Kai Bergmann hat sich schon dieses Themas angenommen, klicken Sie bitte ω hier. Er hält das Wort Rückantwort für relativ … na, sagen wir mal, falsch. Weil es eine […]


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