Früher wurden Teppiche und Teig ausgerollt, heute Projekte und Produkte. Okay, das war ein billiger Witz. Also, worüber ich heute schreiben möchte: Die lautmalerische Bedeutungsübertragung vom Englischen aufs Deutsche als Ausdruck gepflegten Marketing-Jargons. Okay, das war jetzt fies, aber Tatsache ist doch, dass in Marketing-Meetings und Beraterpräsentationen der Denglisch-Durchsetzungsquotient, definiert als Zahl der Anglizismen pro Wortbeitrag, maximiert wird. Und ich finde Touchpoints, Learnings oder, richtig, einen Rollout nach wie vor unterhaltsam.

Es macht nichts, Rollout zu sagen . . .

Dass Worte aus dem Englischen übernommen werden, ist nicht mehr der Rede wert. Vom Car-Sharing bis zum Haircut – bedingt durch die Internationalisierung ist der Trend stärker denn je. Und ich beklage es nicht, die Sprache lebt, die Entwicklung ist unaufhaltsam. Mein einziger Vorbehalt: Wenn es ein deutsches Wort gibt, das genauso locker und ungezwungen klingt wie der englische Import, sehe ich rein funktional betrachtet wenig Anlass, das englische vorzuziehen. Nur, dass es cooler, hipper oder mal was anderes ist.

. . . schräg ist der phonetische Reimport: Ein Projekt auszurollen.

Das Thema heute aber ist, wenn man statt des Importwortes ein ähnlich klingendes deutsches verwendet – der phonetische Reimport gewissermaßen. Neulich planten wir in einem (Achtung:) Meeting den Start eines neuen Online-Auftritts für einen Kunden, als ich einen geschätzten Kollegen sagen hörte, den Webauftritt zu einem bestimmten Termin auszurollen. Das klang sehr zeitgemäß und fachmännisch, aber ich musste mich still fragen, was wir sagen, wenn wir so reden. Es fängt beim schiefen Bild an (einen Webauftritt ausrollen, hä?) und hört dabei auf, dass es nicht an anderen Worten mangelt: Wir könnten den Webauftritt ans Netz gehen lassen. Man könnte ihn aber auch vorstellen. Ein Produkt könnte herauskommen, veröffentlicht oder angekündigt werden.

Zu den Fakten – ich war selbst überrascht: Der Rollout hat einen Platz im Duden ergattert. Dort steht auch, dass der Begriff aus dem Flugzeugbau stammt: Wenn bei der öffentlichen Vorstellung ein neuer Typ aus dem Hangar rollte, und später dann bei Software. Da liegt die Wurzel frei vor uns im Erdreich. Ich schütte sie jetzt wieder zu. Bis zum nächsten Mal.

2 Responses to Komm, wir rollen das Portal aus!
  1. […] aus der Corporate-Welt: Projekte werden ausgerollt, Prozesse werden angestoßen. Ein kleiner Tipp mit der Fingerspitze, und schon purzeln die […]

  2. […] falsche Freunde sind übrigens auch, wenn etwas ausgerollt wird (von roll out) oder die colloboration im Deutschen zur Kollaboration wird, wo doch ein […]


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