Daimler-Vorstandsvorsitzender-Zetsche-Carsharing

Daimler-Chef Zetsche: Carsharing macht zuversichtlich (Bild: Daimler AG)

(19.11.2011) „Muss man jedes Auto, das man fährt, auch besitzen?“ fragt Daimler-Vorstand Dieter Zetsche heute im Wirtschaftsteil der Süddeutsche Zeitung. Anscheinend nicht, weswegen die Idee, ein Auto mit anderen zu teilen, zu den großen Zukunftsvisionen des Autokonzerns gehört.

Auch Konkurrent BMW engagiert sich derzeit mit seinen Marken BMW und Mini darum, im Verbund mit Autovermieter Sixt unter dem Titel DriveNow. Und die Bahn hat sich der Sache unter dem Namen Flinkster angenommen. Sprachlich hat die Entdeckung der Idee durch große Unternehmen zur Folge, dass wir einen Anglizismus in Zukunft noch häufiger nutzen werden: Carsharing.

Gebühren statt Gemeinschaft

Die Idee, dass man nicht immer mit dem eigenen Auto fahren muss, gab’s schon einmal, in den Siebzigern, als sie erstmals infolge der Ölkrise propagiert wurde. Damals war der Ansatz anders, Fahrgemeinschaften sollten gebildet werden. So richtig durchgesetzt hat sich die Idee nie, es lag wohl an der umständlichen Durchführung. Das Carsharing läuft in Zetsches Vorstellung mehr wie eine Miete, man fährt gegen Gebühr. So funktioniert es auch in Organisationen wie Stattauto, bei denen sich schon seit langem in vielen Städten Autos teilen lassen. Ihr Claim ist clever: „Nutzen statt besitzen“ arbeitet den USP klar heraus und hat durch die ähnliche Silben utz und itz mit ihren kurzen Vokalen Rhythmus. Besser wäre nur noch, wenn besitzen auch zwei Silben hätte.

Miefig-piefig: Die Fahrgemeinschaft

Man muss aber auch sagen, dass das Wort Fahrgemeinschaft sachlich korrekt bezeichnete, was gemeint war, aber wenig Esprit hatte. Der Anglizismus Carsharing dagegen unterstützt die Idee der vorübergehenden Nutzung angenehm, weil er ungleich flotter klingt; er geht auch im Deutschen leicht von der Zunge und fügt sich im Schriftbild unauffällig ein – vermutlich, weil seine Bestandteile car und sharing verbreitet sind.  Alternativen auf deutsch bieten sich eigentlich nicht an: Autoteilen? Klingt nach Ersatzteilen. Autoteilung? Wird das Auto in Teile zerlegt? Teilauto? Hmm . . . dann definitiv lieber Carsharing.

Carsharing hat Potential – auch sprachlich

Carsharing als neudeutsches Wort für eine zeitgemäße Form des Autofahrens mit erst 253.000 deutschen Google-Treffern und einem Dudeneintrag, der unter Häufigkeit nur zwei von fünf Balken vergibt – das verspricht Potential und ruft nach einer Nominierung für den Anglizismus des Jahres, der demnächst gewählt wird.

(Notiz an mich: 100. Eintrag)

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