Manche Sätze muss man zweimal lesen, um sie verstehen, meistens, weil der Autor den Leser an der Nase herumführt. Wenn z.B. Subjekt und Objekt die Rollen tauschen, entsteht Konfusion beim Leser. Wie es dazu kommt – und wie es sich vermeiden lässt.

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Wer hält wen? Der Manager den Torhüter – oder umgekehrt?

(22.6.2011) Kürzlich stand in einem Artikel über den trudelnden Fußballverein SpVgg Unterhaching:

„Torhüter Darius Kampa hofft (Manager) Grünberger halten zu können.“

Den Satz musste ich zweimal lesen, denn er prallte auf ein Hindernis. Moment mal: Wieso will der Torhüter den Manager halten? Gemeinhin ist es doch umgekehrt: Manager hoffen, Torhüter zu halten – während Torhüter Bälle halten. Beides ist hier möglich, der Satz ist zweideutig. Nur weil wir wissen, wie es eigentlich ist, können wir den Sinn des Satzes verstehen – verlieren aber Zeit, weil wir ihn vorher richtigstellen müssen.

Wenn das Pferd von hinten aufgezäumt wird

Was passiert da? Die deutsche Grammatik erlaubt sehr freien Satzbau, der mit einem beliebigen Wort beginnen kann – was oft auf die falsche Fährt führt. Wir sind es gewohnt, dass das Subjekt, also die handelnde Person, einen Satz einleitet – und brauchen eine Weile, um zu verstehen, dass das Subjekt ein Objekt, also Satzgegenstand ist. Wir tasten nach dem Zaumzeug, das wir am Kopf vermuten, und stellen fest, dass wir am Pferdepopo angekommen sind.

Warum kommt dieser Tausch relativ oft vor?

1. Aus Angst vorm Ochsentrott, also dem immergleichen Satzbau aus Subjekt, Prädikat (Verb) und Objekt. Der Autor will den Rhythmus seines Satzbaus wechseln – ein Mittel ist, Subjekt und Objekt umzukehren.

2. Aus Angst vor der Wiederholung. Im Satz vorher war Manager Grünberger auch schon Subjekt. Wenn man den Namen nicht wiederholen oder durch ein Pronomen wie er ersetzen will, bleibt nur die Umstellung, um die Wiederholung zu vermeiden.

Wie man mit Fragen und Nebensätzen eindeutig formulieren kann

Weil der Autor tief in Stoff und Text drinsteckt, fällt ihm oft nicht auf, wie schwer für den unbedarften Leser zu verstehen ist, was er meint. Gegenmittel: Den erzählerischen Rhythmus anders zu wechseln. Denken Sie an Nebensätze und situative Gedanken, die sich einfügen lassen: Im Moment beschäftigt Grünberger die Frage, ob er Torhüter Kampa halten kann. Oder an die rhetorische Kraft der FrageKann Grünberger Torhüter Kampa halten? Er hofft es.

P.S. Inzwischen steht fest: Wegen Geldmangels wird Kampa den Verein verlassen.

One Response to Trubel in Haching: Wer hält wen?
  1. […] auf den Sinn auswirkt, wenn Subjekt und Objekt vertauscht werden, zeigte sich schon beim Torwartverkauf in Unterhaching. Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Schilder & Plakate, Werbung abgelegt […]


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