Der besondere Reiz an einem Verkehrsschild liegt darin, dass man es an seiner Form erkennt und seinen Inhalt über Symbole sekundenschnell aufnimmt. Manchmal jedoch wiehert der Amtsschimmel – z.B. mit einem umständlich getexteten Schild.

Verkehrsschild mit Text

Warnschild für Radfahrer (in München): „Auf querenden Fahrverkehr achten“

(14.6.2011, Aktualisierung 17.7.20) Verkehrsschilder sind streng normiert: Die Wiedererkennung der typischen Form und einfache Symbole führen zu einem fast automatischen Verständnis ihres Inhaltes. Manchmal finden sich auf der Straße kuriose Ausnahmen – wie in diesem Fall aus München:

Achtung, Radfahrer! auf querenden Fahrverkehr achten

steht in sechs Worten vierzeilig in bestem Beamtendeutsch auf einem Schild, das den Radfahrer vor einer Seitenstraße warnt, die hinter einer Hecke versteckt plötzlich quer vor ihm liegt – vgl. Foto. Weil die Hecke auch den Autofahrern die Sicht nimmt, kam es an dieser Kreuzung wohl schon öfter zu Zusammenstößen.

Unauffällige Form, verquerer Text

Verkehrsschild-205-Vorfahrt-achten

Wirksame Warnung ohne Worte: Verkehrsschild 205 – Vorfahrt achten!

Die Absicht, diese Gefahrenstelle zu entschärfen, ist löblich. Doch gut gemeint ist nicht gut gemacht: Die Form des Schildes ist unspezifisch viereckig, nur die erste Zeile wurde in der Warnfarbe rot aufgebracht. Das mindert die Wirkung. Das Schild ist vor allem merkwürdig beschriftet. Das falsche kleine a in auf – geschenkt! Querender Fahrverkehr – das Partizip querend beschreibt den Vorgang korrekt, aber umständlich. Darüber, was Fahrverkehr bedeuten soll, lässt sich herrlich nachdenken, sofern man es in zügiger Vorbeifahrt überhaupt gelesen hat. Vielleicht ist man aber auch so tief in Gedanken, dass man tatsächlich ein Auto übersieht. Ironie der Geschichte: Das Schild hätte bewirkt, was es verhindern soll. Der Fahrverkehr klingt dazu tautologisch, denn in einem Wohngebiet ist kaum mit Flug- oder Schiffsverkehr zu rechnen. Und mit Achtung, achten wurde eine weitere Tautologie fabriziert.

Achtung, Radfahrer: Querverkehr!

wäre bei gleicher Aussage knapper und viel schneller zu lesen. Vielleicht hätte man auch ganz auf Text verzichten können, indem ein Vorfahr-achten-Schild aufgestellt wird, mit einem Autosymbol und zwei Pfeilen darunter, einer nach links, einer nach rechts. Die Nummer 205, das rot umrandete Dreieck, das auf der Spitze steht, bleibt eine wirksame Warnung ohne Worte – und mindert das Abenteuer im Schilderwald.

Verkehrsschild ausgetauscht

Verkehrsschild (in München, 2020): Klare Kommunikation ohne Worte

Aktualisierung, 17.7.20: Sie haben das Schild abgebaut. Es fiel mir schon im vergangenen Jahr erstmals auf, aber erst heute war ich geistesgegenwärtig genug, ein Foto zu machen. Da ich nicht an Selbstüberschätzung leide, ist mir klar, dass diese Entscheidung nicht auf meinen Blog-Beitrag vor nunmehr neun Jahren zurückzuführen ist. Dennoch freut es mich, dass die Vernunft gesiegt hat und die Klarheit triumphiert. Nun steht da ein simples Vorfahrtsschild – und zwar für die Radler. Vermutlich wurde die Vorfahrt im Zuge der Münchner Radl-Offensive geändert, und daher wohl das Schild entfernt.

4 Responses to Abenteuer im Schilderwald: „Querender Fahrverkehr“
  1. Tun tut man nicht benutzen

    • @ Schwarz:
      Das kann man so pauschal nicht sagen. Eine Frage wie „Was tust Du da?” ist absolut korrekt, denn hier ist tun ein Vollverb.
      Falsch dagegen ist, tun als Hilfsverb zu verwenden. „Ich tue hier was schreiben“ geht nicht.

  2. @ Nico:

    Nanu? Danke für den Hinweis.

  3. […] Resonanz hat schon mein Beitrag über ein köstlich getextetes Verkehrsschild für Radfahrer gefunden. Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Schilder & Plakate abgelegt und mit 2012, […]


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