Immer wieder bürgern sich schiefe Bilder ein. Hier ein besonders schönes Beispiel: Wenn jemand ein Paket stricken möchte.

Paket stricken ist ein schiefes Bild.

Schnürst Du noch oder strickst Du schon? Svenja Schulze strickt. (Bildschirmfoto)

Mit den Jahren haben sich die Beiträge im Blog sehr verändert. Sie sind ausführlicher geworden, behandeln ihr Thema nicht so spitzzüngig wie eine Kolumne, sind nicht mehr so spontan wie ein Tagebucheintrag, sondern systematisch wie eine Unterrichtslektion.  Irgendwann kamen auch Bilder, Zwischenüberschriften und SEO hinzu.

Der heutige Beitrag kehrt in scharfem Gegensatz dazu zu den Anfängen zurück, als ich  zum Beispiel über das Aufkommen der Menschen spottete.

Paket stricken im Radio

Gestern Nachmittag also hörte ich im Auto während einiger Besorgungen Radio (Deutschlandradio Kultur). Eine Politikerin, deren Namen ich mir ebensowenig gemerkt habe wie den der Moderatorin, mit der sie diskutierte, sprachen über die Hilfspakete, die zum Wiederaufbau gestrickt werden sollen. An der Stelle setzte mal wieder der kleine Filmprojektor in meinem Kopf ein, und auf meiner inneren Leinwand entstand das Bild einer Frau mit Stricknadeln, die anstatt eines Pullovers an einem Paket strickte.

Und da sehen Sie schon: Das geht nicht, das Bild ist schief. Sie können Pakete zusammenstellen, packen oder schnüren. Aber stricken? Das tut man mit Pullis, Mützen, Schals und Socken.

Schulze strickt auch schon

Hatte ich mich verhört? Dagegen spricht, dass der mich begleitenden, im Buchverlag tätigen Gattin die Wendung ebenfalls geläufig war. Sie werde häufig von Kollegen aus dem Marketing gebraucht, wenn dem Handel Pakete gestrickt werden müssen.

Doch was wäre ein Blogeintrag ohne handfesten Beleg? Hörensagen. Fake News. Und so befragte ich das Orakel der Neuzeit, das mir im Zusammenhang mit dem Klimawandel ein Zitat unserer Umweltministerin Svenja Schulze im ZDF ausspuckte – s. Foto.

Wir müssen ein ganzes Paket stricken.

Wie kommt es wohl zu dieser Metapher? Ich glaube, die Lösung liegt in einer Fehlleistung. Es handelt sich um eine Art akustisch-assoziativen Sprungfehler – aus schnüren wurde stricken. Klingt ähnlich, ist ein bisschen geläufiger, und zack – schon nutzt unser Hirn, der alte Populist, das andere, falsche Wort.

Zur Beliebtheit muss man sagen: Zwischen den vielen abstrakten, bildleeren Worten wirkt eine Metapher herrlich analog und konkret. Vielleicht spielt auch die Redewendung, wie jemand gestrickt ist, eine Rolle.

Sehr hübsch ist auch die schwere Lücke.

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