Der Fall Hitzlsperger rückt einen schönen, neuen Anglizismus ins Rampenlicht: Storify, eine Software zum Storytelling mit sozialen Medien. Warum das Wort Chancen auf verstärkten Einsatz im Deutschen hat.

Spiegel-Online-Storify

Thomas Hitzlsperger hat mit seinem Bekenntnis, dass er im Bett Männer Frauen vorzieht, nicht nur viel Wirbel in den Medien verursacht; im Schlepptau der Aktion wurde auch ein Wort in die Öffentlichkeit katapultiert, das bisher ein Nischendasein führte: Storify.

Spiegel Online nutzte nämlich die Gelegenheit, um Tweets zusammenzustellen, und benutzte dabei die Software des Unternehmens aus San Francisco, die das relativ unkompliziert ermöglicht. Ich erinnere mich noch gut, wie Storify 2011 erstmals auftauchte. Damit erhielt das Kuratieren eine neue Form, weil Quellen aus Twitter, Facebook und anderen sozialen Netzen benutzt werden können, um daraus einen eigenen Beitrag zu formen.

Anglizismus mit Breitenwirkung

Ich erwähne den Vorgang, weil ich dem Wort jetzt gute Chancen einräume, sich als neuer Anglizismus im deutschen Wortschatz zu etablieren und eine gewisse Breitenwirkung zu erzielen. Manchmal braucht es eine Initialzündung, manchmal muss ein gewisser Druckpunkt überwunden werden, und das könnte jetzt geschehen sein. Probe: Ich wüsste nicht, wie ich das englische storify mit einem deutschen Wort ersetzen sollte oder könnte. Im Duden ist es, Stichtag heute, noch nicht angekommen.

Storify übersetzen

Im Moment hadere ich noch mit den Bestandteilen und der richtigen Übersetzung des Wortes: Story ist wohl eindeutig, aber dann: Tatsächlich glorify? Gäbe von Silben und Klang her Sinn. Im Sinne der Verwendung auf Spiegel Online wäre verify aber sinnvoller. Denn es soll ja nichts glorifiziert werden, dafür aber mit Stimmen anderer belegt. Dagegen spricht, dass die Software anders konzipiert ist, nämlich für das Storytelling selbst, also ohne eigene Originalmeldung.

Unbeholfener Sprachgebrauch

Interessant auch der Sprachgebrauch: Eine Übersicht Im Storify, schreibt Spiegel Online. Das klingt noch unbeholfen, es hätte auch heißen können: Im Storifyer. Als Verb böte sich analog googeln storyfien an; auch in dem Fall war ein Substantiv, der Markenname des anbietenden Dienstes, Ausgangspunkt, von dem aus das Tätigkeitswort abgeleitet wurde. Allerdings konnte ich dafür erst eine Handvoll Belege bei Google finden.

Storify wäre ein früher Kandidat für den nächsten Anglizismus des Jahres,  den ich auch hier im Blog verfolge. Vor allem dann, wenn Storify von nun an weiter und häufiger auf großen Newsportalen eingesetzt und anmoderiert wird.

One Response to Schöner, neuer Anglizismus: Storify

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