Wortspiele, wohin das Auge blickt: Im Tagesprogramm eines Touristenhotels muss Mozart herhalten, aber Spiegel Online macht es zum Start des Dschungelcamps besser. Ach ja: Sozialtourismus wurde Unwort des Jahres. Willkommen im Land des Lächelns.

Seit mozärtlich zueinander – Wenn das Wolferl das gewusst hätte . . .

Seid mozärtlich zueinander – wenn das Wolferl das gewusst hätte . . .

Zum Jahreswechsel war die Familie nahe der österreichischen Grenze touristisch engagiert. Ich wurde während des Aufenthaltes im Hotel daran erinnert, dass Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und dann wiederum neige ich zu der Annahme, dass erlaubt ist, was gefällt; dass man sich manches erstmal trauen muss; und drittens, dass man es erstmal besser machen muss.

Was gibt mir Anlass zu dieser schwankenden Bewertung? Es ist das Tagesprogramm, das die Gäste allmorgendlich auf ihrem Frühstückstisch vorfinden. Auf vier Seiten gibt es Wetter, Ausflugsempfehlungen und eine Lebensweisheit. Am ersten Tag stutzte ich über die fahrradiesischen Verhältnisse, die angesichts des herrschenden Schneemangels als Alternative in der Fortbewegung gepriesen wurden. Am zweiten Tag lachte mich auf der Titelseite an:

Seid Mozärtlich zueinander.

Unabhängig von der Frage, ob es nicht mozärtlich mit kleinem m heißen müsste, wurde mir klar, dass das Wortspiel hier System hat – mit oben geschilderten Nachgedanken. Als ich erfuhr, dass die Hoteldirektorin Österreicherin aus dem nahelegenen Salzburg, Mozarts Geburtsstadt, ist, wusste ich, wie es dazu kam. Und vielleicht ist es doch ganz süß, auf jeden Fall aber sympathisch.

Dschungelcamp-Essenz: Ich ess das auf

Ich glaube aber, man fährt besser, wenn man vermeidet, einzelne Buchstaben oder gleichklingende Silben auszutauschen, weil man sich von Geschmacksfragen unabhängiger macht. Dazu machen das wirklich alle, und der Witz ist, wie gezeigt, grenzwertig. Gehaltvoller scheint mir, was ich zum Beispiel gestern zum Start der neuen Staffel des Dschungelcamps auf Spiegel Online las. Den Titel

Ich bin ein Star, holt mich hier raus

verballhornte dort ein gewitzter Schreiber in

Ich bin ein Star, ich ess das auf.

Hier wurde das Wortspiel etwas weiter gefasst. Während die Wortzahl im veränderten Teil (4) und die Struktur gleich blieben (je eine Silbe), ja sogar der Endlaut au erhalten wurde, hat man hier intelligent die Essenz der Sendung persifliert – die ekligen, und recht eigentlich unwürdigen Prüfungen.

Apropos unwürdig: In verwandten Nachrichten wurde am 14. Januar, ganz im Ernst, das Unwort des Jahres 2013 gewählt. Die Wahl fiel auf Sozialtourismus, von dem der kluge Hermann Unterstöger sogleich wusste, dass es einst ganz anders gemeint war. Als in Österreich 1953 (!) der „Verband für Sozialtourismus“ gegründet wurde, wollte der einkommensschwachen Familien eine günstige Sommerfrische ermöglichen (SZ v. 15.1.14). Ob das der Jury bekannt war?

Hier finden Sie mehr über das Unwort des Jahres 2012, hier lesen Sie mehr über sprachliche Hotelerlebnisse.

2 Responses to Mozart, das Dschungelcamp und der Sozialtourismus
  1. Hallo Herr Bargmann,

    wie immer ein sehr treffender Beitrag. Auch mir stellen sich bei manchen Wortspielen die Nackenhaare auf – gut gemeinte Absicht hin oder her. Das Eis ist hier wirklich sehr dünn, so dass eine unabhängige Meinung vor einem peinlichen Auftritt bewahren könnte. Wenn man sie denn zuließe …

    Viele Grüße
    Sandra Schwarz

  2. […] better media: Mozart, das Dschungelcamp und der Sozialtourismus […]


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