Tag Archives: Menschen

Mann oder Mensch – Journalisten müssen heutzutage fein abwägen, wie sie formulieren. Die handwerklichen Anforderungen konkurrieren mit zeitgenössischer Schicklichkeit. Ich hätte heute wohl etwas über das Jamaika-Aus schreiben sollen, das zum Wort des Jahres gekürt wurde. Doch es wäre eine Pflicht- und Fingerübung geworden, daher lieber ein Beitrag, der schon etwas länger reift. Zu den […]

Der Slogan der aktuellen Heilsarmee-Kampagne versinnbildlicht einen Wechsel der Erzählperspektive – von der Absenderorientierung zum schulterschließenden Wir-Gefühl. (21.11.2013) Derzeit wirbt die Heilsarmee auf Plakaten um Spenden. Das ist ein ehrenvolles, unterstützenswertes Anliegen, und ich bitte, den folgenden Beitrag nicht als Kritik am Zweck der Kampagne zu verstehen. Ich möchte nämlich darüber sprechen, wie das Verb […]

Wie die Medien die Griechen zu den „Menschen in Griechenland“ machen, während die Finnen Finnen bleiben. In den Nachrichtenspalten und -sendungen wird ein anderer Ton angeschlagen, wenn über politische Veränderungen berichtet wird. Die Menschen in Ägypten hätten viel erreicht, hieß es vor einiger Zeit in einer Nachrichtensendung; dann fuhr die Moderatorin fort, die Demokratisierung dort nachzuzeichnen. Menschen in […]

(25.5.2011) Über das grassierende Phänomen, dass es überall in den Medien von Menschen wimmelt, dafür aber die Opfer, Zuschauer, Einwohner oder Passagiere verloren gehen, habe ich vor einiger Zeit schon geschrieben. Solange es ein treffenderes Wort gibt, sollte man es verwenden, sonst geht Information verloren. Manchmal gibt es tatsächlich keine treffendere Bezeichnung, und dennoch klingt Mensch […]

(26.4.2011) Gestern lief in der ARD-Tagesschau ein Bericht über die Koalitionsverhandlungen in Baden-Württemberg. Vor der Kamera der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid. Er spricht über junge Menschen mit Migrationshintergrund. Das ist politisch korrekt, aber ziemlich abstrakt. Was soll man sich unter so einem Wortmonster vorstellen? Und wie lange braucht man dafür? Oder hüpft das als Politphrase zum […]

Gestern bei der Tagesschau, als der Sprecher in einem Filmbeitrag schilderte, wie die Menschen in Syrien (statt der Syrer) demonstrierten, fiel endlich der Groschen: Wie distanziert „die Syrer“ klingt, wie fremd, wie fern – das sind die anderen. Wie nah und vertraut mir dagegen „die Menschen in Syrien“ sind – das bin ich. Fast scheint es […]

(10.1.2011) Auf der Seite 3, der großen Reportage, der Süddeutschen Zeitung sind am 23.12.2010 die Probleme der Bahn in einem strengen Winter Thema. Schnell findet sich einer dieser typischen Sätze: „Die Verspätungen der Bahn bedeuten für viele Menschen eine Kränkung.“ Fröhlich macht sich Luft im Satz breit. Für wen auch sonst? Für Hamster, Katzen oder Hunde? Wie wär’s mit […]