Wie die Medien die Griechen zu den „Menschen in Griechenland“ machen, während die Finnen Finnen bleiben.

In den Nachrichtenspalten und -sendungen wird ein anderer Ton angeschlagen, wenn über politische Veränderungen berichtet wird. Die Menschen in Ägypten hätten viel erreicht, hieß es vor einiger Zeit in einer Nachrichtensendung; dann fuhr die Moderatorin fort, die Demokratisierung dort nachzuzeichnen. Menschen in Ägypten – waren das nicht mal Ägypter?

Mir fiel diese Wendung in den TV-Nachrichten zuletzt öfter auf: Menschen in Haiti, Menschen in Syrien und jetzt, im Zuge der Euro-Krise, die Menschen in Griechenland – was wurde aus den Haitianern, was aus den Syrern, und wo blieben die Griechen? Wie vom Erdboden verschluckt. Bedauerlich: Als jemand, der in der Nachricht Präzision und Kürze schätzt, ist mir die neue Umschreibung deutlich zu aufgebläht.

Gegenanzeigen: Als die Finnen Anfang Februar einen neuen Präsidenten wählten, durften sie in der Tagesschau Finnen bleiben. Auch die Franzosen, Engländer und Amerikaner haben sich behauptet.

Erste Hypothese: Ist immer dann, wenn nach Unglücken, Umwälzungen und anderem Unbill Mitgefühl angezeigt ist, die Wendung mit den Menschen opportun, während die vermeintlich Unversehrten, Gestärkten oder Verschonten weiter nach dem Ländernamen bezeichnet werden dürfen?

Die Menschen grassieren als sprachliches Phänomen schon länger, wir bleiben am Ball.

One Response to Sterben die Griechen aus?

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