(25.5.2011) Über das grassierende Phänomen, dass es überall in den Medien von Menschen wimmelt, dafür aber die Opfer, Zuschauer, Einwohner oder Passagiere verloren gehen, habe ich vor einiger Zeit schon geschrieben. Solange es ein treffenderes Wort gibt, sollte man es verwenden, sonst geht Information verloren.

Manchmal gibt es tatsächlich keine treffendere Bezeichnung, und dennoch klingt Mensch im Kontext fremd und sachlich unpassend, z.B. in einem lexikalischen Eintrag über Sprache. So heißt es im Abschnitt Diskussionsstand des Denglisch-Artikels der Wikipedia:

Für Menschen, die Fremdsprachen erlernen oder sprechen, stelle es eine große Erleichterung dar, wenn neue Begriffe (Neologismen) nicht übersetzt werden müssen.

Ich erinnere an die wunderbare Welt der Pronomen, sprich Fürwörter wie wer, wen, wem, derjenige, der, die, denen oder auch jemand, und der Zahlwörter wie alle, viele, wenige etc. Pronomen ist lateinisch und heißt für ein Hauptwort – das heißt, diese Worte sind wie geschaffen, Hauptworte zu ersetzen. Hier z.B. würde passen:

Für alle, die Fremdsprachen erlernen oder sprechen, stelle es eine große Erleichterung dar, wenn neue Begriffe (Neologismen) nicht übersetzt werden müssen.

Ähnlich liegt der Fall in der Geo-Reportage „Im Herz der Finsternis“, die kürzlich für den Henri-Nannen-Preis nominiert war. Die Geschichte porträtiert einen Psychopathen im Gefängnis. In der Einleitung heißt es:

Ginge es nach den Menschen, die regelmäßig Umgang mit ihm pflegen, hat Guido Sawallisch (der Psychopath, Anm. d. Red.) . . . mittlerweile genug an der Gerechtigkeit gelitten.

Ein sachlicher Satz, auch wenn das Thema menschelt. Wie wäre es mit einem Pronomen, um den analytischen Kontext zu stützen?

Ginge es nach denen, die regelmäßig Umgang mit ihm pflegen, hat Guido Sawallisch mittlerweile genug an der Gerechtigkeit gelitten.

Und schließlich ein Beispiel aus der Süddeutschen Zeitung von heute. Da schreibt jemand auf der Fernsehprogrammseite in einer Ankündigung für einen Film, in dem eine Frau nach einem Autounfall davonfährt:

Doch später plagt sie die Angst, einen Menschen getötet zu haben.

Das Pathos dieser Formulierung lässt sich durch jemand vermeiden, ein unauffälliges, aber effektives Wort, weil es die menschliche Natur automatisch einschließt:

Doch später plagt sie die Angst, jemanden getötet zu haben.

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