Yolo, das Jugendwort des Jahres 2012, existiert wirklich – sogar unter Jugendlichen. Eine Spurensuche.

Yolo-Bar-Riga-2015

Yolo-Bar in Riga (2015): Das Jugendwort lebt.

(15.9.2016) Wahrscheinlich erinnern Sie sich nicht, ich auch nur nebelhaft. Aber doch, es ist wahr: Yolo war das Jugendwort des Jahres 2012. In diesem, meinem Blog berichtete ich darüber. Und ich mutmaßte, wie in fast jedem Jahrgang, was es mit diesem Wort wohl auf sich habe? Kaum jemand kenne, geschweige denn nutze es. Könne es also bei diesem Wettbewerb mit rechten Dingen zugehen?

Ich gebe zu, ich habe den Veranstaltern der Wahl zum Jugendwort des Jahres Unrecht getan. Yolo, Jugendwort 2012, lebt wirklich, und immer noch. Was angesichts seiner Bedeutung ein echter Lacher ist, denn das Wort ist ein Akronym für You only live once.

Reise nach Riga

Wie ich darauf komme, dass ich ihnen Unrecht tue? Nun, es begann mit einer Reise nach Lettland im vergangenen Frühjahr. In Riga entdeckte ich in einer Nebenstraße am Hafen, unweit der Innenstadt, ein Café, das sich Yolo-Bars nannte – s. Bild. Verdutzt schoss ich ein Foto und stellte fest, dass dieses Wort offenbar international gebraucht wird. Für all jene, die das Foto für ein Ergebnis raffinierter Manipulation halten, hier noch ein Link zur Webseite der Bar-Kette.

Bekenntnis der Bitch

Doch das reichte noch nicht für einen Blog-Eintrag. Der eigentliche Nachweis für die Existenz des Wortes und seines Gebrauchs kam in diesem Jahr. Meine halbwüchsige Tochter berichtete von einer Spielkameradin in der Nachbarschaft, die sich Yolo-Bitch nennt. Damit meint sie sowas wie Scheiß drauf, ich mach, was ich will, denn ich lebe nur einmal. Das ist meine Interpretation, aber ich halte sie für plausibel, denn auch die Definition der Wikipedia weist in diese Richtung:

Yolo . . . ist die Aufforderung, eine Chance zu nutzen und einfach Spaß zu haben, egal welchen Gefahren man sich aussetzt, welche Verbote man missachtet oder ob man Disziplin, Ordnung und Vernunft außer Acht lässt.

Abgesehen davon, dass es mir im Traum nicht einfiele, mich Yolo-Bitch zu nennen, was die Freundin stolz tut, obwohl die Bitch im Englischen eine Schlampe oder Nutte ist, wird mir klar, dass ich das Wort in seiner eigentlichen, so genannten Zielgruppe wiedergefunden habe – den Jugendlichen. (Wahrscheinlich ist die Bitch nur selbstironisch.) Und dann ist da schließlich meine Tochter selbst, die Yolo verwendet. Wenn sich jemand nicht traut, etwas zu tun, wenn Wagemut gefragt ist und Chance gegen Risiko abgewogen werden muss. Die deutsche Bedeutung nimmt sie dann wörtlich: Du lebst nur einmal.

Kein Dudeneintrag

Zu bedenken ist wohl, dass die Diffusionsprozesse, also die Zeit, die es dauert, bis ein Wort aus einer Nische in den allgemeinen Sprachgebrauch, den Mainstream, Einzug hält, durchaus Jahre umfassen kann. Insofern ist der Gebrauch bei den Mädchen zum jetzigen Zeitpunkt folgerichtig. Der Duden, übrigens, verzeichnet Yolo, Stand heute, noch nicht. So schnell geht Diffusion dann doch nicht, Mannheim scheint weit. Insgesamt bin ich teilversöhnt und gespannt auf das Ergebnis zukünftiger Wahlen.

Wie andererseits Jurys Worte küren, die schon nach kurzer Zeit vergessen sind, belegen Veranstaltungen wie das Wort des Jahres. Erinnert sich jemand an Lichtgrenze?

5 Responses to Yolo – ein Wort lebt wirklich
  1. […] wir an, der Torspieler setzt sich durch. Wie das Beispiel des Wortes Yolo zeigt, dauern Diffusionsprozesse lange. Wenn ich mich also weiter frage, wann ich vom […]

  2. […] der Begriff schon seit September 2012 im öffentlichen Raum herum. Doch wie ich neulich auch über Yolo schrieb, dauern Diffusionsprozesse manchmal lange. In diesem Fall lag es daran, dass Instagram […]

  3. […] nur gekannt wird? Mit der Folge, dass von den letzten so genannten Jugendwörtern des Jahres nur yolo tatsächlich gebraucht […]

  4. […] Anekdote aus der Schule erzählt, folgt darauf ein lol; wenn etwas schief gegangen ist, heißt es yolo. Wer es auf Instagram oder YouTube zu vielen Followern und Likes gebracht hat,  ist voll fame. Wer […]

  5. […] belegt, gefolgt von Dänemark auf dem zweiten Platz. Deutschland rangiert auf Platz 16. Obwohl der Duden in vielen Fällen träge ist, hygge listet er bereits, und zwar als Substantiv mit der […]


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