Notiz zu einem Neuling in der Fußballsprache: Wird der Torspieler der neue Torwart?

Torspieler-Oliver-Kahn-11.10.2016

Der Titan in neuer Rolle: Jetzt begleitet er „Torspieler“ (Bildschirmfoto)

Am Rande des Wirbels um Olli Kahn wieder was gelernt: Torhüter oder -warte heißen seit einigen Jahren auch Torspieler. Nur, dass sie anscheinend keiner so nennt – außer Oliver Kahn und Verbandsfachpersonal.

Meine neue Aufgabe: Ab heute begleite ich mit Goalplay Torspieler auf ihrem Weg zum Erfolg.

twitterte Oliver Kahn am 11. Oktober – s. Bild, unterer Tweet.

Torspieler – okay. Bis dahin nie gehört. Als machte ich mich auf die Suche. Was sagt eine Fußballinstanz wie der DFB? Dort findet sich der Torspieler, doch der Verband wendet den Begriff uneinheitlich an. In den Trainingsanweisungen des DFB für die C-Jugend finden wir noch den Torwart. Gleichzeitig ergab die Suche auf der Seite insgesamt sieben Treffer, von denen der erste, ein Beitrag über Torhütertraining (so steht es da auch!), vom 18.5.2012 datiert. Weiterer Realitätstest: Treffer Google: 47.600 (Stand: 12.10.2016). Das ist wenig. Im Duden noch Fehlanzeige – kein Eintrag.

Das Versprechen des Torhüters

„Hüter ist so schön“, sagt die Gattin, die selbst lektoriert, und stöhnt auf. Dass sich die Rolle des Keepers geändert hat und er aktiver am Spielgeschehen teilnimmt, muss anscheinend sofort im Wort erkennbar werden, ist ihre Kritik. „Man sieht es ja nicht.“ Spott aus. Schade, denn der Torspieler klingt neutral und nüchtern, während der Hüter emotionaler aufgeladen ist, jedenfalls für mein Empfinden. Darin liegt, wenn ich pathetisch formulieren darf, ein Versprechen, den Kasten sauber zu halten, seine Unversehrtheit keineswegs zu gefährden.

Nochmal aufs Bild geschaut: Wenn ich im Tweet gleich darüber lese, dass Oliver Kahn auf Englisch dazu auffordert, Goalplayer zu werden, frage ich mich zugleich, ob hier brachial wörtlich übersetzt wurde – eine Lieblingsunsitte hierzulande.

Nehmen wir an, der Torspieler setzt sich durch. Wie das Beispiel des Wortes Yolo zeigt, dauern Diffusionsprozesse lange. Wenn ich mich also weiter frage, wann ich vom Torspieler wohl erstmals in einer Fernsehübertragung höre, tippe ich: Es dauert weitere vier Jahre. Mindestens.

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