Werbung für Handytarife (Plakat in München): Die Neue Prepaid-Karte?

Adjektive werden klein geschrieben. Auf dem aktuellen Plakat für eine Prepaid-Karte wurde mit diesem Grundsatz gebrochen. Zufall, Absicht oder logische Folge?

(7.6.2012) Seit der letzten Rechtschreibreform gibt es zwar keine Verbindlichkeit mehr, doch die Duden-Redaktion spricht Empfehlungen aus. Immerhin. Und ein paar Grundsätze gelten weiter, zum Beispiel, dass Hauptworte groß und Adjektive klein geschrieben werden. Dachte ich, bis neulich.

Da fand ich mal wieder eine dieser merkwürdigen Ausnahmen wie diese Werbung für Prepaid-Karten – s. Abb. Im Vorbeigehen lachte sie mich in der U-Bahn von einem Großplakat an. Auf 3,60 m x 2,50 m steht da

die Neue Prepaidkarte

Das Adjektiv neu müsste klein geschrieben werden. Seit auch ein fester Begriff wie das neue Jahr kleingeschrieben wird (obwohl ich den gern groß schriebe) zieht auch die Ausrede, Verzeihung, das Argument nicht mehr, die Verbindung Neue Prepaidkarte habe den Charakter einer festen Verbindung im Rang eines Eigennamens (die großgeschrieben werden). Wie der Duden in Regel 89 zur Groß- und Kleinschreibung schreibt:

Es gibt Wortgruppen (feste Begriffe), die keine Namen sind, obwohl sie oft als Namen angesehen werden. Dagegen spricht auch, dass Gratis (rechts unten) auch großgeschrieben wurde.

Flüchtigkeitsfehler, Absicht oder Folge?

Es passt, dass dies ausgerechnet auf einem Plakat einer Branche passiert, deren Produkte zum hastigen, schlampigen Schreiben verleiten und damit zur sanften Einebnung schreiberischer Eigenheiten beitragen. Motto: Hauptsache, ich werde verstanden, ist doch egal, wie ich schreibe. So könnte man das Plakat als Indiz für die Richtigkeit dieser These und damit als Folgefehler verstehen. Aber vielleicht war es nur Flüchtigkeit.

Andererseits spricht wenig für Absicht, denn es entsteht keine zusätzliche Aufmerksamkeit. Dafür hätte man das Wort neu anders färben, größer darstellen oder hervorheben können. Bleibt die Möglichkeit, Lycamobile, ein englisches Unternehmen, hat sich auch auf dem deutschen Markt an seiner heimatlichen Schreibung orientiert: In Titeln wird in England jedes Wort großgeschrieben. Zyniker könnten hinzufügen, die Zielgruppe wäre Ausländer, die den Fehler ohnehin nicht bemerken. Ich verweise auf den Beitrag von neulich: Warum ein Lektorat lohnt.

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Ähnliche Beiträge