Man benutzt sie eigentlich nie, aber bestimmte Substantive oder Verben bringen sie zwangsläufig mit sich – die unvermeidlichen Adjektive. Die häufigsten Fälle, wie Sie sie identifizieren und ihnen ein Schnippchen schlagen.

(28.9.2011) Sie gehören zu den seltenen Worten – doch bestimmt kennen Sie sie gut, und zwar in Verbindung mit anderen Worten. Sie erkennen sie daran, dass man sie in (so gut wie) keinem anderen Zusammenhang nutzt, sondern (fast) nur in dieser Verbindung.

Durch die regelmäßige, starre Verwendung entstehen Phrasen – Worthülsen ohne Bedeutung. Manche von ihnen sind so durchgekaut, dass man schon gar nicht mehr schlucken mag, sondern würgen muss. Trotzdem werden sie weiter in Texten aufgetischt. Guten Appetit bei der unvollständigen

Liste vermeintlich unvermeidlicher Adjektive (und Adverben):

  • Anblick, überwältigender/Kulisse, atemberaubende
  • Akribisch recherchieren
  • Aufstieg, kometenhafter
  • Beispiel, Beredtes
  • Differenzen, unüberbrückbare
  • Fachkräftehänderingend gesuchte
  • Feind, heimtückischer
  • Frühstück, ausgiebiges
  • Fußballer/Sportler, aufopferungsvoll kämpfende
  • Grandios scheitern
  • Höhen, ungeahnte
  • etwklaglos hinnehmen
  • Mittel, ein probates
  • Müll, achtlos weggeworfener
  • etw. neidlos anerkennen
  • Sich wacker schlagen

Diagnose: Adjektiv aufspüren und entnehmen

Sie sind beim Lesen auf ein verdächtiges Adjektiv gestoßen, sind sich aber nicht ganz sicher? Machen Sie den Test! Rupfen Sie es aus und fragen Sie sich, ob Sie es jemals in einem anderen Zusammenhang verwenden würden.

Therapie: Nach einem ähnlichen Wort suchen – oder weglassen

Ist die Antwort ja, darf das Wort bleiben. Falls nein, bitte streichen und ein anderes suchen. Bei der Suche hilft „Sag es treffender“. Oder lassen Sie das Adjektiv einfach weg – in vielen Fällen braucht das begleitete Substantiv oder Verb gar keine Verzierung. Denn so unvermeidlich sind die Adjektive in Wahrheit gar nicht.

Wer mit unvermeidlichen Adjektiven schreibt, ist auf dem besten Weg, Phrasen zu produzieren. Guter Stil dagegen ist persönlich. Eine Gefahr besteht darin, dass ungeübte oder unerfahrene Schreiber meinen, sie müssten zeigen, wie gewandt und vielseitig sie sich ausdrücken können – wozu auch die Beherrschung von Phrasen gehört. Hier hilft, sich klarzumachen, dass der Leser Sie nicht kennt, nicht weiß, wie erfahren oder neu im Metier Sie sind – und Sie deshalb niemandem etwas beweisen müssen.

P.S. Ich möchte die Liste gern fortsetzen. Wenn Ihnen weitere Beispiele einfallen, schreiben Sie mir an mail@better-media.de.

3 Responses to Kurze Liste unvermeidlicher Adjektive
  1. […] ein paar Wochen veröffentlichte ich hier den ersten Teil der kurzen Liste unvermeidlicher Adjektive. In ihr hatte ich Adjektive zusammengestellt, die nur in Verbindung mit bestimmten Hauptworten […]

  2. […] kann das nur bestätigen und lassen den Worten heute Taten folgen. Nach dem großen Erfolg des ersten Teils hier der bereits angekündigte zweite Teil der […]

  3. […] Listen? Hier geht’s zu den unvermeidlichen Adjektiven, Teil 1, Teil […]


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