Einen blitzsauberen, mir bis dato unbekannten Anglizismus können Sie in einem Artikel auf Süddeutsche.de genießen, der Ende Januar hochgeladen wurde. In einem Artikel über die (damals gerade bekannt gewordene) Trennung Heidi Klums von Seal heißt es:

Das 38 Jahre alte Model wolle die Scheidung, wegen unüberbrückbarer Differenzen, rumorte es – 

Es rumort – klingt fast nicht wie ein Fehler, sondern so, als habe sich jemand einen lautmalerischen Spaß machen wollen: Aus dem englischen Substantiv rumour (dt. Gerücht) wird im Deutschen kurzerhand das ähnlich klingende Verb rumoren.

Die im Deutschen unübliche Floskel von den unüberbrückbaren Differenzen (irreconcilable differences) ist ein eindeutiger Beleg dafür, dass der Nachricht eine Meldung aus dem Englischen zugrunde lag. Da wenig von den Schwierigkeiten des Paares nach außen drang und es nur eine karge offizielle Mitteilung gab, lässt sich mit Fug und Recht annehmen, dass dem Original Gerüchte vorausgingen.

Bildlich ändert sich nur der Bezugsrahmen: Bisher brodelte es in der Gerüchteküche, jetzt rumort es in der Gerüchtekiste. Zwischen Heidi und Seal hat es zum Schluss zweifellos rumort, wahrscheinlich sogar gehörig, wofür uns der Duden als Synonym wiederum brodeln angibt (neben so schönen, weil bildstarken Verben wie gären und schwelen).

Für einen Fehler spricht allerdings das Synonym das 38 Jahre alte Model – eine harsche Ersetzung aus der Kategorie der Leimener für Boris Becker, die Anfängern oder ungeübten Schreibern vorbehalten ist.

Danke an Birgitt Kollmann für den Hinweis.

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