Tag Archives: 2015

Zum Texten gehören Bilder, aber auch Reflexe. Bei beruflichen Veränderungen ist die Seefahrt beliebt: Man heuert an, man geht an oder von Bord – und bringt sich dabei ohne Not in, Verzeihung: Seenot. Ist die Karriere denn ein Ausflug auf einem Musikdampfer oder eine Expedition ins Unbekannte? Man möchte es meinen, wenn man die Berichterstattung […]

In der Berichterstattung über Flüchtlingsgegner finden sich nur zwei Worte: Hass und Hetze. Dabei böten sich eine Reihe differenzierender Begriffe an, die womöglich die Diskussion konstruktiver machen würden. (4.6.2016) Jetzt hat der Hass auch die Avocados in Peru erreicht – sehen Sie mal hier, habe ich kürzlich beim Einkaufen entdeckt. Okay, das war ein Witz. Tut mir leid, […]

Intakter Trend: Bei Verneinungen Nicht- voranzustellen statt ein treffendes Wort zu suchen. (29.12.2015) Nach längerer Zeit habe ich eine Ausgabe der SZ gelesen, die vom 28.12.2015. An zwei Stellen fiel mir auf, wie, statt das treffende Wort zu suchen, verneint wird, indem vor einen positiven Begriff ein Nicht- gestellt wird. Dies ist einer der hartnäckigsten […]

Warum das Allerweltswort Flüchtlinge eine schwache, verzagte Wahl war – und Willkommenskultur das wesentlich prägnantere Wort des Jahres gewesen wäre, das dieselbe Debatte betraf. (12.12.2015) Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat gestern das Wort des Jahres 2015 gewählt. Die Wahl fiel auf Flüchtlinge. Sicher, der Begriff beherrschte die öffentliche Debatte. Doch unspezifischer geht es kaum. Es ist ein Allerweltswort […]

Die Tagesschau verlor die Wahl des treffenden Wortes, als sie in ihrer jüngsten Ausgabe Tote oder Mordopfer zu Getöteten machte. Gestern Abend in der Tagesschau machte Sprecher Jens Riewa mit der Meldung von der Bestattung der Pariser Abschlagsopfer auf. Auf der Tafel neben ihm stand: Trauerfeier in Paris für die 130 Getöteten Und ich dachte, wie schändlich es ist, […]

Nicht-Beachtung: Wer dieses Wort benutzt und sogar drucken lässt, verarmt das Vokabular und sollte missachtet werden. Getan wird es trotzdem – wie das Beispiel eines Schildes in München zeigt. (23.11.2015) Gymnasien verleihen günstigenfalls die allgemeine Hochschulreife, und gerade die bayerischen gelten als anspruchsvoll. Welch Überraschung daher, als ich das Schild (s. Foto) kürzlich am Münchner Luisengymnasium las. Es mag […]

Ein Satz, 140 Zeichen: Wie wirkt sich das auf Ausdrucksweise und Textverständnis aus? (14.11.2015) O.k., die Headline ist reißerisch formuliert. Was ich meinte: Verändert Twitter die Art und Weise, mit der wir uns ausdrücken? Verändert es die Fähigkeit, längere Texte zu verstehen und/oder zu schreiben? Verengt es die Ausdrucksweise? Schmälert es das Vokabular? Führen die formale Voraussetzungen zu einer inhaltlichen Verflachung? Risiken für längere Texte und […]

Wie eine wörtliche Übersetzung zu einer unliebsamen Sinnentstellung führt. Nein, ich finde nicht, dass alles den Bach runter geht oder früher alles besser war. Allerdings verblüfft mich schon manchmal, was für schräge Sprachverirrungen des Wegs kommen, diesmal von jungen Leuten aus der Musikindustrie, die unbeholfen aus dem Englischen ins Deutsche transferieren – und die im Ergebnis […]

Fundstück zur Sprachentwicklung aus einer Zeit, als man noch arglos vom Negerkuss und Frau Bundeskanzler schrieb. (17.10.2015) Eine kurze bibliothekarische Note: Ich las gerade ein Buch aus dem Jahr 1982. Das ist noch gar nicht so lange her, etwas über 30 Jahre, 33 um genau zu sein. Es heißt „Papa Faust“, geschrieben hat es Uwe Wolff, veröffentlicht […]

Im Internet taucht vermehrt der Begriff Derailing auf, eine Technik, eine Debatte in eine andere Richtung als ursprünglich beabsichtigt zu führen. (25.9.2015) Als Notist zur Zeit komme ich nicht umhin, das Wort Derailing zu registrieren. Es ist zwar Englisch und damit ein weiterer Anglizismus, aber ich schätze es wegen seiner Bildhaftigkeit. Was ist mit Derailing […]