Stil

Beim Gebrauch des Adjektivs kongenial herrscht große Unsicherheit. Es wird oft gebraucht, aber ebenso oft falsch – nämlich mit genial gleichgesetzt. Was das eine vom anderen unterscheidet! (27.4.2011) Samstag war’s mal wieder soweit, kurz vor halb zwölf auf BR-Klassik. Thema: Glenn Gould. Moderatorin Ursula Adamski-Störmer spielt sich im Gespräch mit dem Pianisten Stefan Arnold  die Bälle zu, […]

(26.4.2011) Gestern lief in der ARD-Tagesschau ein Bericht über die Koalitionsverhandlungen in Baden-Württemberg. Vor der Kamera der SPD-Landesvorsitzende Nils Schmid. Er spricht über junge Menschen mit Migrationshintergrund. Das ist politisch korrekt, aber ziemlich abstrakt. Was soll man sich unter so einem Wortmonster vorstellen? Und wie lange braucht man dafür? Oder hüpft das als Politphrase zum […]

(15.4.2011) Kürzlich interviewte ich Peer Steinbrück. Während der Ex-Finanzminister meine Fragen beantwortete, bemerkte ich an ihm eine Angewohnheit, die man neuerdings öfter hört: Dass jemand das Verb in die Mitte eines Satzes stellt – statt an den Schluss. Steinbrück sagte zum Beispiel: „Das wird sich ergeben zum richtigen Zeitpunkt.“ Dabei heißt es eigentlich: „Das wird […]

(13.4.2011) Mit der Umwidmung von Worten lassen sich immer wieder Akzente setzen, weil man sie aus ihrer gewohnten Umgebung reißt. Im Moment im Trend: Bildstarke Substantive als Verben zu verwenden. So heißt es etwa heute im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung über die neue CD der Foo Fighters: „Der Bombastsound . . . sandstrahlt auch noch […]

(7.4.2011) Es begann mit Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin nannte Thilo Sarrazins Buch „wenig hilfreich“ für die Integration der Muslime. Seitdem liest und hört man das Wort, das bis dahin eine mediale Randexistenz fristete, häufig, heute bekam es Flügel. Türkis leuchtete es hoch von der Dachzeile der Süddeutschen Zeitung: „Der Hilfreiche“ stand da, um einen Bericht […]

(31.3.2011) Gestern bei der Tagesschau, als der Sprecher in einem Filmbeitrag schilderte, wie die Menschen in Syrien (statt der Syrer) demonstrierten, fiel endlich der Groschen: Wie distanziert „die Syrer“ klingt, wie fremd, wie fern – das sind die anderen. Wie nah und vertraut mir dagegen „die Menschen in Syrien“ sind – das bin ich. Fast […]

(26.3.2011) Jede Sprache kennt Synonyme: Die Entscheidung für toll, stark oder großartig (oder heuzutage: geil) hängt vom Register, vom Klang oder vom persönlichen Geschmack des Verfassers ab. Noch mehr Wörter oder Phrasen gibt’s jedoch, die eine ähnliche, aber nicht die gleiche Bedeutung haben. So unterscheiden die Eskimos zwischen mehreren Dutzend verschiedenen Schneearten; Wüstennomaden halten’s ähnlich […]

22.3.2011, Nachtrag, 3.2.2012. Heute Morgen, kurz vor acht Uhr, Deutschland-Radio Kultur. In einem Beitrag zum 70. Geburtstag des Schauspielers Bruno Ganz heißt es, er habe seine Figuren verstehbar gemacht. Nanu – verstehbar? Im Duden klafft eine Lücke. Der Google-Check ergibt: 33.400 Treffer – der Trend ist da. Natürlich versteht man, was gemeint ist, aber noch verständlicher wäre das […]

 Weniger gut ist das neue schlechter: Medien verzichten zunehmend auf viele treffende, aber verneinende Adjektive. Stattdessen werden – vermeintlich präziser – die positiven Gegenteile mit weniger kombiniert. (4.2.2011, Nachtrag 27.7.2011) Sie erinnern sich an George Orwells Neusprech, den er für 1984 vorausgesehen hatte? Das Gegenteil von gut heißt dort ungut – und nicht etwa schlecht. In […]

(10.1.2011) Auf der Seite 3, der großen Reportage, der Süddeutschen Zeitung sind am 23.12.2010 die Probleme der Bahn in einem strengen Winter Thema. Schnell findet sich einer dieser typischen Sätze: „Die Verspätungen der Bahn bedeuten für viele Menschen eine Kränkung.“ Fröhlich macht sich Luft im Satz breit. Für wen auch sonst? Für Hamster, Katzen oder Hunde? Wie wär’s mit […]