Stil

(14.12.2011) Kürzlich las ich Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick“, der dieses Jahr den deutschen Jugendliteraturpreis gewann. Auf S. 83 stieß ich auf eine Stelle, die das Texterherz bewegt. Die beiden jugendlichen Protagonisten Maik und Tschick haben beschlossen, ihre Sommerferien anders als sonst zu verbringen. Sie knacken einen alten Lada und brennen damit durch. Dann heißt es: […]

Bei Verneinungen und Vermutungen hat sich in Medien das sanfte „eher nicht“ durchgesetzt – doch sein inflationärer Gebrauch nutzt es ab. Was kann man stattdessen sagen? (10.12.2011) Wie viel Schonung braucht der Mensch in einer hochentwickelten Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft? Anscheinend eine Menge. Medial (und auch im Gespräch) fasst man sich mit Samthandschuhen an, wenn etwas […]

(4.12.2011) Meine Süddeutsche druckte vorgestern im Panorama eine dpa-Meldung über Spice Girl Mel C. Mel ist jetzt Mutter und hat ihre Bulimie überwunden. Zum Schluss das obligatorische Zitat als Rausschmeißer: „Meine Krankheit liegt jetzt hinter mir, denke ich.“ Dass es hier denken heißen sollte, glaube ich nicht. Nichts gegen Spice Girl Mel, aber wenn ich […]

Der australische Autor Michael Gerard Bauer, dessen nächstes Buch ich gerade lektoriert habe, schreibt in seinem Blog, Artikel mit Listen seien erfolgreicher als andere. Ich kann das nur bestätigen und lassen den Worten heute Taten folgen. Nach dem großen Erfolg des ersten Teils hier der bereits angekündigte zweite Teil der kurzen Liste unvermeidlicher Adjektive (und Adverbien): […]

(18.11.2011, Nachtrag, 12.02.2012) Sie sind ein Staat und können Ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen? Kein Problem, Sie bekommen einen Haircut. So wie die Griechen: Denen schneiden wir mal eben die dunklen Löckchen ab und verpassen Ihnen einen ordentlichen Haarschnitt. So klang das vor ein paar Wochen, als der sechzigprozentige Schuldenschnitt für Griechenland angekündigt wurde. Und über […]

Community Manager begleiten Diskussionen im Web, hieß es am Wochenende in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung über diesen neuen Beruf. Dazu gehöre auch, dass sie „Streits schlichten“ – s. Lauftext im Bild. Ein Plural zum Stirnrunzeln! (24.10.2011) Da wollte der Schreiber wohl besonders korrekt sein – denn Streitigkeiten kommen öfter vor,  und dann muss das Wort dazu […]

(14.10.2011) Irgendwann haben wir in der Schule gelernt, dass wir uns nicht wiederholen sollen; das sei schlechter Stil. Seitdem ersetzen wir ein Wort durch ein anderes. So wird aus Boris Becker der Leimener, der Wimbledonsieger und der 17-jährige – so alt war er damals –, wenn wir schreiben. Mal ehrlich: Wenn Sie sich beim Abendbrot mit ihren […]

Neuerdings sind Todesopfer in den Medien durchweg gestorben – auch wenn sie ermordet wurden oder tödlich verunglückten. Doch für Gewalt- und Unfallopfer kennt das Deutsche genauere Bezeichnungen.  (6.10.2011, Nachtrag 17.10.2011) Amanda Knox ist frei. Im Bericht über das Urteil hieß es dazu vorgestern im Panorama der Süddeutschen Zeitung: „Familie Kercher muss nach London zurückkehren, ohne sicher zu wissen, […]

Man benutzt sie eigentlich nie, aber bestimmte Substantive oder Verben bringen sie zwangsläufig mit sich – die unvermeidlichen Adjektive. Die häufigsten Fälle, wie Sie sie identifizieren und ihnen ein Schnippchen schlagen. (28.9.2011) Sie gehören zu den seltenen Worten – doch bestimmt kennen Sie sie gut, und zwar in Verbindung mit anderen Worten. Sie erkennen sie daran, dass […]

Heute am Sonntag was Erbauliches: Aus der Abteilung „Alt, aber gut!“ ein paar Aphorismen über Sprache. Sie stammen aus der aktuellen Ausgabe der Universitas mit dem Titel „Sprachwelten“. Sprach-Kürze gibt Denk-Weite. (Jean Paul, 1763-1825) Am Unverständlichsten reden Leute daher, denen die Sprache zu nichts weiter dient als sich verständlich zu machen. (Karl Kraus, 1874-1936) Flüchtig […]