Deutschland schied gestern gegen Paraguay im Elfmeterschießen aus der WM aus. Beim Zuschauen fiel mir allerdings die Fußballsprache im Fernsehen auf: Manche Reporter sprechen inzwischen, als kommentierten sie eine Verwaltungsvorschrift statt ein Fußballspiel.

Im Kreuzworträtsel genügt „Schiri“. Im Fernsehen pfeift dagegen häufig der „Unparteiische“.

Das deutsche WM-Aus gegen Paraguay hatte alles, was Fußball ausmacht: Große Emotionen, Drama, Verlängerung, Elfmeterschießen. Daumen drücken, Haare raufen. Hoffen, bangen, ärgern. Frust, Enttäuschung, Unglaube. Gerade deshalb fiel mir bei der ZDF-Übertragung von Oliver Schmidt wieder ein sprachlicher Trend auf, den man bei Liveübertragungen inzwischen häufig hört.

Da ist vom „Unparteiischen“ die Rede, vom „Treffer“, vom „Abschluss“ und vom „Strafstoß“. Die Wörter sind nicht falsch. Aber sie klingen erstaunlich blutleer.

Fußball lebt von Direktheit. Der Schiedsrichter pfeift. Der Spieler schießt. Der Ball geht ins Tor. Und am Ende gibt es einen Elfmeter. Das sind Wörter mit Kraft, Anschaulichkeit und Tempo.

Ihre Ersatzbegriffe wirken dagegen, als seien sie dem Verwaltungsdeutsch entnommen. Der „Unparteiische“ gehört in die Satzung des DFB, nicht in die heiße Schlussphase eines WM-Spiels. Ein „Treffer“ erinnert eher an den Schießstand als an das schönste Tor des Abends. Ein „Abschluss“ ist ein abstrakter Oberbegriff. Er könnte ebenso eine Unterschrift unter einem Abo bezeichnen. Schuss, Kopfball und Direktabnahme verschwinden darin wie in einer Sammelschublade. Selbst der „Strafstoß“ wirkt sperrig. Millionen Fußballfans sagen seit Jahrzehnten schlicht: Elfmeter. Oder einfach: Elfer.

Wenn Fußballsprache Funktionärssprache wird 

Warum geschieht das? Vielleicht, weil
• solche Begriffe fachlicher oder professioneller klingen sollen. Tatsächlich geschieht oft das Gegenteil: Die Sprache verliert an Energie und Unmittelbarkeit.
• der Kommentator die ursprünglichen Begriffe für verbraucht hält.
• er seine Aufgabe anders versteht und nicht bloß berichten, sondern einordnen möchte. Dafür sucht er nach einer Sprache, die sich vom gewöhnlichen Sprechen absetzt.
• oder weil der Kommentator aus der akademischen Welt kommt. Oliver Schmidt, der das Spiel für das ZDF kommentierte,  studierte Politik, VWL und Jura. Ob das seine Wortwahl beeinflusst, sei dahingestellt. Die Neigung zu abstrakten Begriffen würde jedenfalls dazu passen.

Gute Mediensprache folgt meist einer einfachen Regel: Das konkrete Wort schlägt die abstrakte Ersatzvokabel. Schiedsrichter statt Unparteiischer. Schuss statt Abschluss. Tor statt Treffer. Elfmeter statt Strafstoß.

Denn Fußball ist ein Spiel der Gefühle. Und Gefühle sprechen selten Verwaltungssprache. Vielleicht werden Figuren wie das „Feierbiest“ gerade deshalb so populär: Sie sprechen nicht funktional, sondern unmittelbar.

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