Kurioses von Kästner: In seinem Roman „Fabian“ schreibt der Autor Schofför statt Chauffeur. Ein schönes Beispiel dafür, dass sich manche Schreibungen nicht durchsetzen.

Während manche von uns bereits in der Sommerfrische weilen oder gar aus ihr zurückgekehrt sind, darf ich noch ein paar Tage tapfer am Schreibtisch ausharren und weiterschaffen. Ich gebe zu, das Arbeitsaufkommen ist in diesem Jahr so hoch, dass ich kaum Zeit oder Muße finde, mein Blog weiterzubestücken. Nun aber!

Bevor mir am Abend die Augen von des Tages Müh zufallen, versuche ich meist noch, mir etwas Gedrucktes zu Gemüte zu führen. (Keine Angst, Instagram und Co. kommen nicht zu kurz.) Dies war kürzlich der Roman „Fabian“ von Erich Kästner. Kästner schätze ich von Kindesbeinen an wegen seiner Jugendromane. Besonders „Das fliegende Klassenzimmer“ hat es mir angetan; ich habe es lange zu Weihnachten wiedergelesen.

Es hat Jahre gedauert, aber endlich habe ich mich an die mehrbändige Gesamtausgabe Kästners aus dem Hanser-Verlag gewagt, die in einer Kassette gewaltig und geradezu bedrohlich oben auf dem Regal in der Bibliothek thronte und dort zugegebenermaßen ein Schattendasein fristete. Darin finden sich auch Kästners Romane für Erwachsene, darunter der eben genannte „Fabian“. Dass mir das Buch wegen seiner durchaus düster-pessimistischen Weltsicht nicht besonders gefiel, muss uns hier nicht interessieren.

Schofför – Die Überraschung bei „Fabian“

Ich erwähne „Fabian“ in der Abt. „Schreibungen, die sich nicht durchgesetzt haben“. Das ist zwar eigentlich ein Thema, das seit der Vereinfachungsversuche im Zuge der Rechtschreibreform 1998 aufkam, doch auch Kästner leistete sich – zu meinem großen Erstaunen – eine kuriose Schreibung, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Denn er tat das bereits 1931.

Auf S. 169 der Hanser-Ausgabe von 1998 findet sich nämlich in Originalschreibung der denkwürdige Satz

„Der Schofför passt auf.“

Nun könnte man das Kästnersche Schrulle abtun. Doch was mich noch mehr erstaunt hat: Diese Schreibweise hat (immer noch?) einen eigenen Dudeneintrag. Dies ist bemerkenswert, weil dort regelmäßig Wörter gestrichen werden, deren Schreibung sich nicht etablieren konnte.

Wissen.de erfreut uns mit dem Hinweis, es handele sich lt. GROßEM WöRTERBUCH DER DEUTSCHEN SPRACHE um eine veraltete, eindeutschende Schreibung von Chauffeur. Was natürlich einigermaßen kurios ist, wenn sich das französische Original gegenüber einer eingedeutschen Fassung durchsetzt.

Normalerweise funktioniert Assimilation, also Anpassung, in entgegengesetzter Richtung, nämlich dass sich ein importiertes Wort mit der Zeit an die Zielsprache anpasst. Denken Sie zum Beispiel an das Möbel, das im Französischen noch meuble geschrieben wird.

Vor einigen Jahren hatte ich schon einen Beitrag über Schreibungen, die sich nicht durchgesetzt haben – daraufhin aber aus dem Duden gestrichen wurden.

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