Clever: Vilsa nennt sein Mineralwasser klimapositiv und nutzt damit das ganz große Thema der Zeit für sich. Anlaß, den Begriff zum Wort der Woche zu küren.

Von Zeit zu Zeit muss man eine neue Rubrik erfinden, sonst wird das Bloggerleben trist und monoton. Daher habe ich relativ spontan beschlossen, die Kategorie „Wort der Woche“ einzuführen. Sie tritt damit neben Rubriken wie „Headline-Liebling“ oder „Konjunktiv des Monats“.

Anlass war, dass ich das Wort klimapositiv hörte. Bisher kannten wir den Begriff klimaneutral. Das war, wenn jemand es nicht noch schlimmer macht. Gestern kurz vor Acht, in einem der letzten Spots vor der Tagesschau, kam eine Werbung für das Mineralwasser von Vilsa. Und das ist, falls Sie es noch nicht wussten, klimapositiv.

Im Spot hört sich das so an:

 

Während es klimaneutral im Duden bereits gibt, fehlt klimapositiv dort noch. Die Treffermenge bei Google ist noch überschaubar: 107.000 Treffer (Stand 2.7.2021). Ein Indikator für die Neuheit des Wortes.

Geht das denn überhaupt – klimapositiv? Scheint so, denn Utopia schreibt:

Wird ein Produkt mit dem Begriff „klimapositiv“ versehen, bedeutet das, dass mehr CO2-Emissionen kompensiert werden als von diesem verursacht wurden. Diese Überkompensation hat einen positiven Effekt auf das Klima.

Klimapositiv – Würdigung

Wenn Sie also so wollen: Vilsa kühlt das Klima. Die Zukunft scheint hell. Strategisch wirkt das clever, denn Klima ist das große aktuelle Thema, und Vilsa setzt es für seine Absatzzwecke und Imageziele ein. Man könnte sogar sagen, der Genuss des Wassers habe einen Purpose, zeigt also Haltung, folgt einer Mission, verkörpert Werte. Was ja derzeit im Marketing sehr wichtig ist.

Andererseits hätte ich diesen Beitrag nicht geschrieben, wenn ich es nicht etwas übertrieben, vielleicht sogar unglaubwürdig  fände, dass ein Mineralwasser bzw. sein Absatz einen Einfluss auf das Weltklima hätte. Man könnte auch argwöhnen, dass Vilsa mit der Werbung geschickt Trittbrett fährt. Zu prüfen wäre also, wie es um die Produktion des Wassers und das Unternehmen in dieser Frage bestellt ist. Kritisch ließe sich anmerken, dass die Idee beim Klimawandel u.a. ist, den Konsum resp. das Wachstum zu begrenzen, weil bei der Güterproduktion CO2 entsteht. Wogegen Schlitzohren einwenden könnten, das Beispiel Vilsa zeigt, dass sich Wirtschaftswachstum und Klimaschutz nicht ausschließen. Ein Blick auf die Nachhaltigkeitsseite des Unternehmens gibt Anlass zu einer positiven Einschätzung: Da meint es offenbar jemand ernst. Zumindest klimaneutral ist die Firma schon.

Ich verlinke Utopia mal, obwohl es gesponsorter Content ist, weil die Definition sich ganz einleuchtend liest. Wer es neutraler mag, hier der Link zur Wikipedia. Der Artikel zur Klimaneutralität liest sich aber sperriger.

Zunächst war ich amüsiert. Wenn es das Wort nicht schon gäbe, hätte ich gesagt, dass es sich nur ein Werber ausdenken könnte!

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