Feuern kann schießen, heizen oder werfen bedeuten. Als Metapher für eine Kündigung ist es Boulevardmedien vorbehalten. Ein aktuelles Beispiel.

Hier sehen Sie ein Bildschirmfoto des Beispiels mit feuern

Feuern statt entlassen – der feine Unterschied im guten Ton (Bildschirmfoto)

Heute eine Petitesse. Aber warum nicht? Ein aufrechter Zyniker könnte frotzeln, dieses Blog bestünde rundum aus Petitessen. Vielleicht ist aber auch ein guter Text die Summe von lauter Petitessen? Ich bin jedenfalls ein Fan von durchgehender Tonalität, deswegen heute dieser Eintrag.

Texte sollen wie gut gekneteter Teig sein – homogen. Bitte vermeiden Sie Klumpen. Feuern ist so ein Klumpen, wie wir am folgenden Beispiel sehen werden.

Parler-CEO John Matze wurde gefeuert

überschrieb Meedia einen aktuellen Beitrag. Und ich meine: Das ist zu stark. Schauen Sie mal, welche Bedeutungen der Duden dafür angibt: Schießen, heizen oder werfen. Fristlos kündigen auch, richtig, aber es ist umgangssprachlich, in Medien boulevardesk. Das überlassen Sie besser Bild und der Abendzeitung – jedenfalls dann, wenn Sie für einen seriösen Mediendienst schreiben. Da ist feuern eine Spur zu kräftig, mehr Zurückhaltung geboten.

Feuern: Alternativen

Was wären stimmigere Optionen?

Parler-CEO John Matze wurde entlassen
Parler-CEO John Matze musste gehen
Was mich auf einen anderen Punkt bringt: Das wurde ist eigentlich überflüssig. Eine Überschrift darf immer in der kompaktesten Form getextet werden, damit ihr Informationsgehalt sich dem Leser so schnell und wie direkt möglich vermittelt.
Parler-CEO John Matze entlassen.
Was mich auf einen noch anderen Punkt bringt: Die Vorzeile Soziales Netzwerk. Das kann man fürsorglich, aber auch entmündigend finden. Offensichtlich meinte der Autor, seine Leser könnten die Nachricht nicht einordnen. Ich bin da nicht so sicher. Man weiß  doch, dass Parler der Dienst ist, auf dem sich die Anhänger des Ex-US-Präsidenten Trump sammelten, nachdem Twitter dessen Konto gesperrt hatte. Und dass Parler alsbald aus dem Apple- und Google-Playstore gestrichen und von Amazon nicht mehr gehostet wurde, nachdem ruchbar wurde, dass sich dort die bösen Buben von rächts sammeln und unmoderiert Hass und Hetze verbreiten dürfen. Das hat die Medien hierzulande doch durchaus beschäftigt, z.B. hier die SZ.
Und der Autor glaubte, er müsse John Matze mit seinem Arbeitgeber (genauer: seiner eigenen Gründung) und Titel versehen, weil der Name selbst zu unbekannt sei. Da ist möglicherweise was dran, ließe sich aber anders lösen.

Weiter bis zum Minimum

Zum Glück ist so gut wie nichts im Leben alternativlos. Da wir das obige noch weitgehend im Kurzzeitgedächtnis haben, könnte man nämlich in der Vorzeile schreiben
Parler-CEO
statt Soziales Netzwerk, um dann die Zeile auf
Matze entlassen
zu reduzieren. Das gefällt mir, weil es so schön knackig ist. Schlagzeilen sollen auf den Punkt kommen.
Wir wollen natürlich nicht hoffen, dass hier die Abneigung gegen Parler den Autor, Verzeihung, befeuert hat, er die Kündigung persönlich als Akt der Befreiung empfand und deshalb die schärfere Formulierung wählte. Darüber wissen wir nichts.
Auf der anderen des sprachlichen Spektrums steht sich trennen, das mir damals (und immer noch) mißfiel, weil es so geziert-distanziert ist.

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