Diesmal behandelt die Kolumne einen weiteren seltenen Konjunktiv – bärge. Pikant: Er wurde falsch verwendet. Hier die Details samt einer knappen Einführung in den Konjunktiv I und II.

bärge ist hier falsch, berge richtig

Bärge vs. berge (in der Gala): Nur Rohlinge schrieben „würde bergen“. (Bildschirmfoto)

Ich möchte zunächst kurz um Entschuldigung bitten. Erstmals wurde meine Seite gehackt. Die Folge: Der letzte Beitrag über den Trend zum Kofferwort konnte weder in der gewohnten Qualität noch zum gewohnten Zeitpunkt erscheinen. Ursache war ein Plug-in, das nicht mehr aktualisiert wird, mit Schadcode, der meine Seite an diverse Phishing-Seiten weiterleitete. Der Beitrag sei Ihnen aber nochmals ans Herz gelegt, weil er empirisch gehaltvoll ist.

Die notwendigen Reparatur- und Wiederherstellungsarbeiten haben den gewohnten Gang der Dinge am Wochenende aus dem Rhythmus gebracht. Nun aber ist das fragliche Plug-in gelöscht, die Passwörter sind extrastark und weitere Störungen damit hoffentlich unterbunden. Nochmals sorry.

Bärge – die Fundstelle

Damit zum heutigen Beitrag. Eine Leserin von Beginn an hat mir einen Artikel aus der Gala mit dem Titel „Gewicht, Größe & Co. – das sind die Maße der Stars“ zugespielt.

Normalerweise lobpreise ich an dieser Stelle den Konjunktiv, den ich irgendwo, sei es in einem Buch, sei es in einem anderen Medium, entdeckt habe und der mich entzückt, vielleicht aufgrund seines Klanges, vielleicht nur, weil er so selten geworden ist wie ein Völkerkundemuseum.

Diesmal liegt der Fall anders, weil ich auf die Unterschiede zwischen Konjunktiven zu sprechen kommen kann. Das hatte ich schon lange vor, hatte aber ebenso lange keinen Aufhänger. Diesmal ist es also auch eine Art Korrektur-Kolumne, denn der Konjunktiv geht im Wortlaut so:

Diese Einstellung bärge die Gefahr, ein falsches Körperbild zu vermitteln.

Für diesen Satz möchte ich als Erstes Lob spenden – es ist der Versuch einer indirekten Rede. Darunter versteht man die Wiedergabe des Zitats von Herzogin Catherine ohne wörtliche Rede, was einen Konjunktiv nach sich zieht, und zwar den Konjunktiv I (Präsens).

Bärge oder berge?

Hier liegt die Krux des Zitats – nicht das Körperbild ist falsch, sondern der Konjunktiv. Bergen bildet den Konjunktiv I, ohne den Vokal zu verändern. Korrekt wäre:

Diese Einstellung berge die Gefahr, ein falsches Körperbild zu vermitteln.

Beleg für die Wiedergabe einer Rede ist der Satz davor:

Sie selbst sehe sich als Frau mit einer normalen Figur.

Ich bin milde überrascht, denn Gala erscheint im Verlag Gruner & Jahr, der sich zu den Herausgebern von Qualitätsmedien zählt. Ich bin zuversichtlich, dass dort trotz aller Spaßmaßnahmen noch ein Lektor einen kritischen Blick auf Artikel wie diesen wirft. Wobei: online? Vielleicht nicht. Was ein Argument dafür wäre.

Bärge ist Konjunktiv II

Sehen wir hier die Folgen der Rechtschreibreform, die diesen Sommer 20-jähriges Jubiläum feiert? Sie hat uns Neuschreibungen wie die gebracht, greulich als gräulich zu schreiben. Als ob Greuel mit der Farbe Grau oder dem Grauen zusammenhingen?! (Mir graut’s.) Aber das ist Spekulation.

Tatsächlich ist bärge der Konjunktiv II (Präteritum). Diese Form gibt es durchaus, aber sie wird nicht für die indirekte Rede benutzt, sondern den sogenannten Irrealis, also wenn mit dem Konjunktiv gesagt werden soll, was denkbar ist, aber nicht existiert oder geschieht. Erklärt am Beispiel oben:

Sie selbst sähe sich als Frau mit normalen Figur.

Interpretation: Sie hätte gern eine normale Figur, hat aber keine. Das ergibt hier keinen Sinn, denn ein Blick auf das Foto zeigt das Gegenteil – eine schlanke Frau. Also spricht Catherine über sich im Realis.

Diese beiden Formen (gehe/ginge, bringe/brächte, sehe/sähe) werden leider öfter verwechselt. Mein Tipp: Immer den Kontext prüfen: Gebe ich eine Rede wieder (= Realis) oder nicht (=Irrealis). Das funktioniert nach meiner Erfahrung zuverlässig.

Und damit schalten wir zum Vormonat mit dem damaligen Konjunktiv des Monats.

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