In Medien werden verschiedene Arbeitseinkommen häufig synonym benutzt. Was ist der Unterschied zwischen Lohn und Gehalt?

Der Lohn in der Pflege heißt Gehalt.

Pflegenotstand: Das Personal erhält Gehalt. (Bildschirmfoto)

Starten wir ins neue Jahr mit einem Beitrag für mehr Aufklärung und Basiswissen. In der Wirtschaftsberichtserstattung, aber auch den Nachrichten der Qualitätsmedien geht es fröhlich durcheinander, wenn es um das Einkommen abhängig Beschäftigter geht. Oft liest oder hört man zum Beispiel Lohn, obwohl von Angestellten die Rede ist.

So geschehen gleich zu Jahresbeginn in der Tagesschau. In der Neujahrsausgabe berichtete man vom Personalmangel in der Pflege. Darin enthalten war eine Schautafel, in der von mehr Lohn die Rede war – s. Bild. Das ist sachlich falsch, denn Arbeitskräfte in der Pflegebranche beziehen ein Gehalt. Warum ist das so?

Lohn und Gehalt – was ist was?

Es ist die feine Unterscheidung zwischen Berufen mit weißem Kragen (Hemd), blauem Kragen (Overall) und Staatsdienern. Daher gibt es drei Gruppen von Erwerbseinkommen:

1. Lohn nennt man das Geld, das gewerbliche Arbeitskräfte für ihre Arbeit erhalten. Wer bei VW am Band steht oder als Schreiner einen Fensterrahmen einbaut, erhält Lohn.

2. Gehalt heißt es bei Angestellten. Vom Sachbearbeiter bis zum Vorstandsvorsitzenden, der allerdings neben dem Grundgehalt eine Erfolgskomponente bezieht. Sie unterscheiden sich von Arbeitern, dass sie keinen Stundenlohn erhalten, sondern einen Pauschalbetrag pro Monat.

Darüber gibt es noch ein weitere Einkommensformen für bestimmte Berufs- und Altersgruppen.

Honorar heißen die Einkünfte bei Freiberuflern und Selbstständigen wie Ärzten, Zahnärzten, Architekten, Steuerberatern und Rechtsanwälten.

Bezüge nennt sich das Einkommen bei Vorständen, Aufrichtsräten, aber auch Ruheständlern. Bei letzteren muss ein weiteres Mal unterscheiden: Renten erhalten ehemalige Arbeiter und Angestellte, Pensionen heißt es bei Beamten.

Apropos: Beamte beziehen kein Gehalt, sondern einen Sold. Dies ergibt sich aus ihrer besonderen Rechtsstellung. Beamte binden sich lebenslang an einen Arbeitgeber und geloben besondere Treue (über das Arbeitsverhältnis hinaus). Das Einkommen ist also nicht nur als Gegenleistung für eine Arbeitsleistung aus einem Schuldverhältnis zu verstehen. Vielmehr drückt sich darin auch die Fürsorgepflicht des Dienstherrn aus.

Von Vergütung spricht man bei Führungskräften. Sie enthält neben einem festen Gehalt häufig noch eine erfolgsabhängige Komponente wie einen Bonus.

Lohn und Gehalt – warum synonym?

Neulich machte ich den Eingangstest für Volontäre bei der Deutschen Presseagentur. Der war gar nicht mal ohne. An mangelnden Kenntnissen kann es also eigentlich nicht liegen. Oder doch?

Was können andere Gründe sein?

  • Das Wort Lohn klingt plakativer und griffiger. Es weckt andere Assoziationen, klingt mehr nach Arbeit im Sinne knochenharter Maloche. Das würde das Tagesschau-Beispiel erklären.
  • Mehr Lohn sind nur zwei Silben und läuft kürzer als das richtige Formulierung höheres Gehalt. Die kompakte Form liest sich schneller und ist daher geeigneter für eine Schautafel.

Manchmal profitiere ich von meinem Wirtschaftsstudium. So auch in der Gentrifizierung oder der Austerität.

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