Beim Anglizismus des Jahres standen zwei hochinteressante Vorschläge zur Wahl: Framing und Doxxing. Was es mit beiden Begriffen auf sich hat.

Framing und Doxxing ärgert viele

Framing und Doxxing: Noch unbekannte Newcomer

(30.1.2019, aktualisiert am 12.2.2019) Während die Stadt Hannover zur Belustigung manches Spötters wegen ihrer Maßnahmen zur Geschlechtergleichberechtigung in den Schlagzeilen steht, hat parallel die Wahl zum Anglizismus des Jahres 2018 das Gendersternchen als Sieger hervorgebracht. Ich bin ein Freund von Lösungen, die sich praktisch umsetzen lassen. Der Asterisk, wie die Typographen das Zeichen nennen, scheint in vielerlei Hinsicht mehr Fragen aufzuwerfen als Antworten zu geben – u.a. wo und wie er verwendet werden soll. Meine wichtigste Frage wäre, wie das Sternchen gesprochen werden soll? Solange das ungeklärt ist, notiere ich diesen Vorgang zur Sprachentwicklung hier kurz, ohne ihn weiter zu vertiefen.

Stattdessen möchte ich lieber über zwei weitere Anglizismen sprechen, die zur Wahl standen, zuletzt häufiger zu lesen waren und vor allem aktueller und brisanter sind als die übrigen Kandidaten: Framing und Doxxing. Denn als ich die Abstimmungsliste sah, fiel mir als erstes auf, dass alle zur Wahl stehenden Begriffe nackt und kahl genannt wurden. Vielen Lesern könnte jedoch unklar sein, worum es sich dabei eigentlich handelt.

Framing: Was bedeutet es?

Aus dem Schulunterricht erinnern Sie sich vielleicht noch an die englische Vokabel Frame. Sie bedeutet auf deutsch Rahmen. Das können Sie sich sowohl konkret (wie in Bilderrahmen) als auch im übertragenen Sinn vorstellen – Dingen einen Rahmen geben. Die zweite Bedeutung kommt hier zum Zug. Ziel ist es, öffentlichen Debatten eine andere Richtung zu geben oder ihren Akzent zu verschieben. Damit ist das Framing dem Derailing verwandt, über das ich schon einmal gebloggt habe. Auch das Nudging spielt hier mit hinein.

Dahinter steht eine Theorie der Kommunikationswissenschaft: Über ein Problem wird unterschiedlich entschieden, je nachdem, wie es geschildert wird. M.a.W. Mit Framing können Sie Probleme aufblasen oder verniedlichen. Damit hilft es nicht gerade, sich zurechtzufinden. Ganz im Gegenteil: Es stiftet Verwirrung. Umstritten ist, wie stark sich diese Technik auf das Wahlverhalten auswirkt. Denn darauf kommt es den Verwendern, namentlich Politiker oder andere, denen es nützt, eigentlich an.

Framing war auch der Sieger der Publikumswahl im Wettbewerb zum Anglizismus des Jahres. Die Jury wählte ihn auf Platz zwei. Die Schlussfolgerung müsste sein, dass die Jury der politischen Korrektheit den Vorzug vor der Aktualität gab. Wenn man bös wäre, könnte man hinzufügen, dass Jurys grundsätzlich die Gewohnheit haben, sich nicht in die Niederungen des Publikumsgeschmacks zu begeben. Aber wir sind gut. 😉

Doxxing: Was bedeutet es?

Dieses Wort ist schwieriger zu entschlüsseln, da es ein Hauptwort mit einer Tätigkeit verknüpft und zugleich eine  eigene Schreibung erhält. Das Doppel-x steht nämlich für die Silbe docs als gängige Abkürzung von documents, zu deutsch Dokumente. Doxxing beschreibt konkret den Vorgang, auf illegale Art und Weise persönliche Informationen im Internet in böser Absicht allgemein zugänglich zu machen. Sicher erinnern Sie sich an den Fall des Schülers aus Hessen, der damit kürzlich zahlreiche Politiker bloßstellte. Was er da tat, war doxxing. Wenn Sie diesem Link zur Wikipedia folgen, finden Sie dort Einzelheiten zu dem Fall.

Aktualisierung, 12.2.2019: Kurz nach dem Ersteintrag zum Framing macht ein „Framing Manual“ (dt. „Gebrauchsanweisung für Framing“) die Runde. Darin geht es um eine, sagen wir, alternative Darstellung des öffentlich-rechtlichen Senders ARD. Denn was die einen als Zwang empfinden, wird darin zum Beispiel als „unser gemeinsamer freier Rundfunk“ in sein Gegenteil verkehrt. Ich komme nicht umhin, dem Autor des Tagesspiegels in seinem Kommentar zu folgen, dass der Ton dieses Pamphlets sektenhaft ist. Natürlich handelt es sich um KEINE Gebrauchsanweisung, sondern nur um Vorschläge, dementiert eine Sprecherin auf Meedia. So macht man’s. Motto: Ein bisschen was bleibt immer hängen.

Ich hoffe, ich konnte helfen. Beehren Sie mich bald wieder. Ich bleibe meinerseits dran.

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