Migration und Merkel spülen ein neues Wort in die Medien: die Diaspora. Im Dienste der Aufklärung finden Sie hier Quellen, Historie, die richtige Aussprache und einen Ausblick.

Diaspora wird bleiben

Fremde in der Ferne: Merkel in Syrien, Definition Diaspora (Bildschirmfoto)

Zur Veränderung im medialen Sprachgebrauch gehört nicht selten, dass neue Wörter auftauchen. So fiel mir in den letzten Wochen das Wort Diaspora auf – ein ausgesprochenes Bildungswort griechichen Ursprungs, auf das ich wette, dass es weniger als zehn Prozent der Bevölkerung kennen.

Zum ersten Mal hörte ich Bundeskanzlerin Merkel den Begriff sagen, als sie kürzlich Syrien für den Vierergipfel mit den Herren Erdogan, Macron und Putin besuchte. Merkel sagte lt. Bericht der Tagesschau:

Eine Sitzung des Verfassungskomitees ist notwendig, damit ein Prozess in Gang kommt, an dessen Ende freie Wahlen stehen, zu denen alle Syrer Zugang haben, auch die in der Diaspora.

Damit ist eigentlich klar, was mit Diaspora gemeint ist: Die Syrer bei uns, bzw. in jedem anderen Land, in dem sie untergekommen sind.

Bald darauf fand ich das Wort mehrfach in der 32-seitigen deutschen Fassung des UN-Migrationspaktes (S. 5, 6, 7, 8, 10, 23, 24, 25, 26, 31), der diese Woche scharf im deutschen Bundestag debattiert wurde.

Diaspora: Der Begriff und seine Herkunft

Fragen wir den Duden als vergleichsweise neutrale Instanz. Danach ist eine Diaspora

ein Gebiet, in dem eine konfessionelle oder nationale Minderheit lebt.

Wobei ich hübsch finde, dass einfach nur von einem Gebiet gesprochen wird, denn das könnte auch innerhalb Syriens liegen. Frau Merkel meint aber die Syrer in Deutschland. Dies bestätigt die Wikipedia, die ausdrücklich davon spricht, dass die Minderheit in der Fremde, abseits der Heimat lebt.

Nicht ohne Ironie ist dabei, dass mit dem Begriff ursprünglich Juden in der Fremde bezeichnet wurden. Wir erinnern uns, dass die Syrer zusammen mit den Ägyptern 1973 den Jom-Kippur-Krieg gegen Israel vom Zaun gebrochen haben.

Diaspora: Aussprache und Ausblick

Man könnte denken, dass Diaspora auf der dritten, der vorletzten Silbe, betont wird. So wie zum Beispiel Diabetes oder Diaphragma. Das ist falsch. Richtig ist die Betonung auf der zweiten Silbe, wie in Kollege oder Verbrauch.

Die Bevölkerung in Afrika vermehrt sich unvermindert weiter, auch in Zukunft ist also mit weiteren Flüchtlingen zu rechnen. (Als Phrasenschreiber hätte ich davon fabuliert, dass weiter mit hohem Migrationsdruck zu rechnen ist.) Daher nehme ich an, dass wir dem Wort auch zukünftig in deutschsprachigen Medien begegnen werden, dann aber bezogen auf andere Nationen.

Angela Merkel prägte schon öfter die Sprache – Adjektive wie hilfreich oder alternativlos werden untrennbar mit ihrer Regierungszeit verbunden bleiben.

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