Weiter voll im Trend: Die Binnenmajuskel, ein Großbuchstabe in einem zusammengesetzten Hauptwort. Was Rechtschreibanhänger beklagen, hat in der Kommunikation durchaus Vorteile.

Die Binnenmajuskel hat keine Grundlage

Die Binnenmajuskel (auf der DriveNow-Webseite): Eigentlich falsch, hat sie sich durchgesetzt (Bildschirmfoto)

Die was? Das werden Sie gleich sehen. Vorher kurz der Hinweis, dass der heutige Beitrag mehr chronistischen als nachrichtlichen Wert hat, da das Phänomen nicht brandneu ist, sondern schon etwas länger vor sich hin köchelt, hier aber noch nicht festgehalten wurde. Allerdings sieht man es nach wie vor oft, was dem Eintrag doch eine gewisse Aktualität verleiht. Und: Viele meckern über die Schreibweise. Ich möchte auch über Ihre Vorteile sprechen.

Nehmen wir mal das zusammengesetzte Hauptwort BahnCard. Dann spreche ich vom großen c in der Mitte des Wortes. Das würde man nämlich eigentlich klein schreiben. Grund ist, dass im Deutschen als einer der wenigen Sprachen Hauptwörter zusammengesetzt werden können, indem man sie einfach aneinanderhängt. Sie kennen das von der Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitänsmütze.

Die Nachteile sind offensichtlich:

  • Das Wort ist lang und schwer zu lesen.
  • Die Autokorrektur kann damit nichts anfangen.
  • Die Trennautomatik auch nicht.

Also weg damit. Nur was ist die Alternative? Koppeln, also Bindestriche setzen. Oder eben die Binnenmajuskel, zu der manche auch Binnenversalie sagen.

Die Binnenmajuskel – Vor- und Nachteile

Was also macht man im Marketing, um Aufmerksamkeit zu erregen, wenn man keinen sensationellen Eigennamen wie Nutella oder Google hat? Man nimmt einsilbige Wörter (idealerweise mit mit aufforderndem Charakter, vorzugsweise englischen Ursprungs), setzt sie zusammen und legt sich beispielsweise einen Großbuchstaben im Wort zu. Das sieht man inzwischen häufig. Denken Sie z.B. an

DriveNow.

Wenn Sie das googlen, stellen Sie fest, dass sich BMW mit dieser Schreibung durchgesetzt hat. Was ich erstaunlich finde, weil es ja eigentlich doppelt falsch ist. (Oder denken Sie, ganz aktuell, an GoKid, eine Elterntaxi-Initiative).

Denn neben der Großschreibung im Wort stellt sich die Frage: Fehlt das Leerzeichen oder nicht? Normalerweise würden Sie doch wohl eins setzen. Hier wurde bewusst darauf verzichtet. Allerdings wird einem das nur im Zusammenhang mit einem großen Konzern klar. Hätte irgendjemand, also Sie oder ich, das geschrieben, hätte man dagegen einen Fehler vermutet.

Nun bin ich der Letzte, der hier den Rechtschreibpuristen geben möchte. Der Verlust verbindlicher Regeln ist seit der letzten Rechtschreibreform, die kürzlich bereits 20 Jahre auf dem Buckel hatte, unaufhaltsam. Wozu klagen? Sehen Sie es als Zugewinn an Freiheit. Der Grundsatz „Jeder, wie er mag“, ist längst Alltag, insbesondere in der Unternehmenskommunikation. Vielleicht in der Variante: „Jeder, wie er mag, wenn er muss.“  Man denke an den Verzicht auf den Kopplungsstrich, damit der schöne Markenname nicht verunziert wird.

Doch die Binnenmajuskel bietet auch Vorteile, z.B. eine gewisse Prägnanz. Ein so geschriebenes Wort fällt auf, man erkennt es leicht wieder und man merkt es sich. Das kann bei der Markteinführung und -durchsetzung helfen.

Die Binnenmajuskel und das Bindungs-s.

Lesefreundliche Binnenmajuskel

DGP: Die Binnenmajuskel gliedert und schafft Prägnanz (Bildschirmfoto)

Heikel wird es, wenn sich der Großbuchstabe an ein Bindungs-s hängt, wie im folgenden Beispiel. Denn das Bindungs-s wurde gerade deswegen eingefügt, damit man klein weiterschreiben kann. Insofern wird dieses verbindende Element durch die trennende Großschreibung sehr souverän ausgekontert. Das zeigt dieser Fall:

Deutsches GesundheitsPortal

Ich bringe dieses Beispiel willkürlich, ich stehe aus mir unbekannten Gründen auf dem Newsletterverteiler dieser Einrichtung.

Es gibt auch hier Gründe für diese Schreibweise. So lassen sich beispielsweise die Versalien DGP als griffige Abkürzung prägnant ausmachen, wie man im Impressum sieht. Und zugegeben: Ein so langes Wort wie Gesundheitsportal liest sich mit einem großen p leichter. Im Impressum sieht man übrigens: Das DGP ist eine Initiative der HealthCom. Genau.

Ich würde dabei nicht so weit gehen wie der Blogger und Lektor Ronald Filkas, der von einer Unart spricht und sie zu MySchwachsinn persifliert. Andererseits: Gerade bei einem Bindungs-s ist das große P besonders absurd. Nur: Wer kennt noch Idee und Funktion des Bindungs-s?

Noch aber ist es die Deutsche Bahn – statt DeutscheBahn. Und es ist der Sparpreis, nicht aber der SparPreis. 😉

Die Binnenmajuskel: Fazit.

Rechtschreibfreunde werden weinen. Für eine Zusammenschreibung zweier Wörter mit einem Großbuchstaben in der Mitte gibt es keine Grundlage. So gesehen liegt ein Regelverstoß resp. ein Fehler vor.

Doch die Schreibweise sorgt für Prägnanz und Wiedererkennung. Sie hat bei langen Wörtern den zusätzlichen Charme, das Lesen zu beschleunigen, weil die Wortbestandteile durch den Großbuchstaben markiert werden und so leichter zu entschlüsseln sind.

Hier geht es zu einem Beitrag über die ulkige Angewohnheit, Substantive klein zu schreiben.

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