Mit oder ohne s: Die Frage, wie Abkürzungen den Plural bilden, wird häufig gegoogelt. Die bisherigen Beiträge im Überblick, ein interessanter Aspekt und ein praktisches Fazit.

OP oder OPs – das s kennzeichnet den Plural eindeutig

Ein oder zwei OPs? BILD-Schlagzeile (Bildschirmfoto)

KMU oder KMUs, Lkw oder Lkws, PCs oder CDs – die Beiträge zur korrekten Pluralbildung bei Abkürzungen gehören zu den beliebtesten Themen im Blog.  Zu verschiedenen Beispielen und Formen habe ich im Laufe der Zeit mehrere Beiträge geschrieben, die Dauerbrenner geworden sind und sich im Tracking beständig vorn platzieren.

Ich finde das insofern erstaunlich, weil generell gesprochen die Rechtschreibung seit der Reform und dem Siegeszug der Autokorrektur bei Smartphones keinen besonderen Stand mehr zu haben scheint. Hauptsache, man wird verstanden, scheint das Motto zu sein, egal wie – und diesen Standpunkt kann man auch mit Recht diskutieren. Denn der Zweck einer Sprache ist zunächst, Verständigung zu ermöglichen. Die Regeln für Feinheiten sind dafür sekundär.

Der Plural bei Abkürzungen im Überblick

Gleichzeitig scheint es doch eine größere Gruppe zu geben, die diese Fragen beschäftigt und Antworten in Form einer Begründung oder Regel sucht. Das belegen die Suchanfragen und Klicks hierher. Um den Service zu verbessern und den Nutzen zu erhöhen, habe ich beschlossen, diesen Beitrag als Sammelseite einzurichten, der das Thema bündelt und von hier aus durch Links vertieft.

Die bisherigen vier Beiträge im Überblick:

  1. OP oder OPs?
  2. KMU oder KMUs?
  3. LPs, BUs, PDFs, SUVs und AGBs
  4. PC, Lkw und GmbH

Plural bei Abkürzungen in der Medienpraxis

Erst neulich hatten wir erst wieder einen Fall. In einer der Publikationen, die ich betreue, sollten in einer Vorzeile kleine und mittlere Unternehmen angesprochen werden. Da der Platz dort begrenzt ist, verwendete die Redakteurin die Abkürzung KMU. Nun würde bei der Pluralbildung kein s angehängt werden, da ja auch das Wort Unternehmen im Plural unverändert bleibt. Doch im Layout des Beitrages lachte mich ein s an.

Und das ergibt Sinn. Denn auf eine schlichte, klare und einfache Weise zeigt das s den Plural an. Der Sinn des Wortes und der Aussage erschließt sich schneller, wenn man ein s an den Stamm hängt. Es ist wie ein Blinker am Auto – so wie Sie wissen, was der Fahrer vorhat, wenn er ihn setzt (einen Richtungswechsel), sagt Ihnen das s unmissverständlich, was es mit der Abkürzung auf sich hat: Singular oder Plural.

Wie das Geschlecht auf den Plural wirkt

Der kluge und gründliche Dr. Bopp hat in einem Beitrag festgestellt, dass die Neigung, den Plural mit einem s am Ende zu bilden, bei Abkürzungen mit weiblichem Geschlecht am höchsten ist. Denn nur das s erlaubt den Unterschied zwischen Einzahl und Mehrzahl zu erkennen, weil der Artikel gleich bleibt. Beispiel:

Die WG (Singular) vs. die WG (Plural)

Demgegenüber sind maskuline oder neutrale Abkürzungen auch ohne s klar zu unterscheiden. Beispiel:

Das AKW (Singular) vs. die AKW (Plural)

oder der PC (Singular) vs. die PC (Plural).

Fazit: Sie können nach einer Regel rufen, es gibt keine. Sie können feinsinnig nach Geschlecht oder ausgeschriebener Form unterscheiden, ob Sie den Pluarl mit oder ohne s bilden sollen. Mein Rat aufgrund praktischer Erfahrung: Setzen Sie eins. Diese Praxis hat sich durchgesetzt, weil sie funktional sinnvoll ist, wie das Beispiel KMU oben zeigt: Sie kennzeichnet eindeutig den Plural. Es gibt nur eine Ausnahme: AGB. Die stehen nämlich schon im Plural, und ein -s wäre eine doppelte Mehrzahl.

Beliebt ist im Blog auch die Frage, wie der Plural bei Substantiven gebildet wird, die aus dem Englischen stammen. Sind es Citys oder Cities, Storys oder Stories und Babys oder Babies?

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