Konjunktiv des Monats März wird verlören. Überraschende Fundstelle: Die Online-Ausgabe des Fußballmagazins Kicker.

Konjunktiv des Monats: verlöre

Konjunktiv „verlören“: Der Fußballreporter als Feinschreiber (Bildschirmfoto)

Bevor der Monat endet, möchte ich den beliebten Wettbewerb „Konjunktiv des Monats“ fortsetzen. Diesmal stammt er – zu meiner eigenen Überraschung – nicht aus der Literatur, wo man sich gewöhnlich etwas mehr Gedanken um gediegenen Ausdruck macht. Vor allem erinnert man sich dort am ehesten daran, dass Deutsch einer alten Eselsbrücke zufolge eine „würdelose“ Sprache ist.

Doch diesmal wurde ich in einer Publikation fündig, die man nicht direkt mit feiner Sprache in Verbindung bringt. Und dann auch noch online. Dort nämlich titelte der Kicker auf seiner Webseite kürzlich so:

Bei Abstieg: Lilien verlören 13 Millionen Euro TV-Geld.

Für Fußballmuffel: Die Lilien sind ein Branchenspitzname für den Zweitligaklub Darmstadt 98. Nun kann man über den Doppelpunkt streiten, aber verlören statt würden verlieren – diese Form liest oder hört man heute nicht mehr oft. Grund für mich, sie in meine kleine Sammlung aufzunehmen. Was mich besonders überrascht, ja geradezu anrührt: Der Redakteur hätte die Zeile nicht so machen müssen, denn in der zweiten Zeile wäre Platz genug für den Ersatz mit würde gewesen. Die Zeile wäre sogar schöner vollgelaufen. Dass die Schönheit die übermächtige Gewohnheit schlägt, ist selten und daher erwähnenswert.

Wobei ich einschränkend sagen muss: Diese Würdigung gilt nur für die oben verlinkte Artikelseite. Auf der Startseite für die 2. Liga, von der ich das Bildschirmfoto gemacht habe, könnte der Wunsch, ein einzeilige Schlagzeile zu machen, tatsächlich Vater der verwendeten Form gewesen sein. Für diese Überlegung spricht auch, dass von TV-Geld statt von den gängigeren Fernsehgeldern die Rede ist.

Unregelmäßiger Konjunktiv

Über den Einzelfall verlieren hinaus bilden Verben mit dem Doppelvokal ie nicht selten die Möglichkeitsform unregelmäßig mit ö. Denken Sie zum Beispiel an

  • biegen – bögen
  • bieten – böten
  • wiegen – wögen

Aber es gibt auch Ausnahmen: Liegen oder spielen etwa werden regelmäßig gebeugt (konjugiert) und bilden daher auch den Konjunktiv regelmäßig.

Falls Sie jetzt die Stirn runzeln und nach einer gedanklichen Ordnung suchen, hier eine kleine Grundregel: Alle Verben, auch die unregelmäßigen, bilden die Formen des Konjunktivs Präsens (Konjunktiv I) ohne Umlaute. Die exotischen Formen mit -ä (z.B. sähe), -ü (wie etwa führe) oder ö (eben verlöre) kommen nur im Präteritum (Konjunktiv II) vor, und hier nur bei bestimmten unregelmäßigen Verben.

Und hier geht’s zum letzten Konjunktiv des Monats.

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