Hassrede ist eine zweifelhafte 1:1-Übersetzung des englischen hate speech, das es im Deutschen gar nicht gibt. Versuch einer Begriffsbestimmung und Vorschläge für schönere Varianten.

 

Hassrede statt Schmähung

Sag doch, was Du meinst. Oder traust Du Deinen Lesern die Schmähung nicht mehr zu? Oder ist sie Dir zu lahm?

Über die Hassrede stolperte man medial in letzter Zeit häufig, zum Beispiel hier in der Tagesschau oder hier in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung. Wie stark die Verwendung dieses Wortes zugenommen hat, zeigt eindrucksvoll die Wordverlaufskurve des DWDS. 90.300 Treffer bei Google sind allerdings noch eine überschaubare Treffermenge (Stand 24.2.2018).

Interessanterweise steht die Hassrede noch gar nicht im Duden, obwohl sich dort seit 2017 Begriffe wie Fake News oder postfaktisch finden. (Immerhin gibt es Hasskriminalität.) Wieder ist es eine dieser ungelenken Übersetzungen aus dem Englischen, diesmal von Hate Speech. Was wäre besser?

Definition

Die Wikipedia liefert diese Definition:

Der Begriff Hassrede bezeichnet sprachliche Ausdrucksweisen von Hass mit dem Ziel der Herabsetzung und Verunglimpfung bestimmter Personen oder Personengruppen.

Okay, das macht die Sache klar, weist aber noch nicht direkt den Weg, wie man es besser ausdrücken könnte. Lesen wir weiter:

Im deutschsprachigen Raum fallen Ausdrucksweisen, die zum Hass aufstacheln, unter die Gesetzgebung zur Volksverhetzung (Deutschland) bzw. Verhetzung (Österreich) oder die Rassismus-Strafnorm (Schweiz).

Dann würde ich vorschlagen, wir vergessen dieses beschämend plumpe Wort und sprechen von Hetze. Das ist ja eh schon populär und scheint es zu treffen.

Synonyme Schmähkritik und Schmähung

Eine Alternative wäre die Schmähkritik, zuletzt durch ihre Top-Ten-Platzierung in der Wahl zum Wort des Jahres 2016 geadelt. Sie ist in der Wikipedia wie folgt definiert:

Die Schmähkritik ist eine Äußerung, bei der nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die Diffamierung der Person im Vordergrund steht. . . . Erforderlich ist . . ., dass die Meinungsäußerung in der Herabsetzung der Person besteht.

Das kommt der ersten Definition doch recht nahe, nicht wahr? Ist aber nicht halb so hässlich, wie ich meine, wenn nicht diese akademisierende -kritik hinten dran stünde. Schauen wir nach, was eine Schmähung ist. Der Duden nennt diese Synonyme:

Beleidigung, Beschimpfung, Herabsetzung, Herabwürdigung; (gehoben) Verunglimpfung; (bildungssprachlich) Diffamierung; (abwertend) Begeiferung; (Papierdeutsch) Verächtlichmachung

Schon wieder verdächtig ähnlich, nicht wahr? Ich meine auch. Der Kern ist die Herabsetzung, und die findet sich in der Schmähung ebenso wie in der Schmähkritik. Seien wir realistisch: Hassrede klingt härter, ja brutaler, unmittelbarer und für die meisten wohl auch leichter verständlich als Schmähung. Medien sind zur Übertreibung und Überspitzung gezwungen, zumal im Boulevard. Deshalb spricht man lieber vom Hass und seiner Rede. Als Wort besser wäre die Schmähung. Wahrscheinlich wäre dann auch weniger Krawall in der Debatte. Aber vielleicht will das ja niemand.

Hassrede tldr:

Brauchbare Synonyme zur im Deutschen unbekannten Hassrede sind

  • Hetze
  • Diffamierung oder
  • Schmähung

Auch die oben erwähnte Hasskriminalität ist ein umstrittener Begriff, weil man ihn in der Juristerei so gar nicht kennt.

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