Intakter Trend: Bei Verneinungen Nicht- voranzustellen statt ein treffendes Wort zu suchen.

(29.12.2015) Nach längerer Zeit habe ich eine Ausgabe der SZ gelesen, die vom 28.12.2015. An zwei Stellen fiel mir auf, wie, statt das treffende Wort zu suchen, verneint wird, indem vor einen positiven Begriff ein Nicht- gestellt wird. Dies ist einer der hartnäckigsten (und hässlichsten) Trends der Sprachentwicklung.

Ich habe darüber schon einige Male gebloggt, und ich muss es zum Abschluss des Jahres 2015 noch einmal tun.

Fall Nr. 1: Das Nichtbefolgen

Die CSU hat Integrationsvereinbarungen verabschiedet, heißt es auf der Titelseite. Sie schaffen auch „die Grundlage für mögliche Leistungskürzungen bei Nichtbefolgen“. Nichtbefolgen? Wie wäre es mit Missachtung?

So etwas ist furchtbar. Es wird nicht nur (von einer Person) geschrieben, sondern zur Abstimmung gestellt und dann (von mehreren) verabschiedet, um dann veröffentlicht (also vielen zugänglich gemacht) zu werden. So kommt das in die Welt und wird immer häufiger. Niemand greift ein. Ich konstatiere eine Verarmung des Wortschatzes. Ein Begriff wie Missachtung gehört zugegeben nicht zum Grundwortschatz 1, aber zum erweiterten Grundwortschatz. Und man darf Leute, die es in Politik und Presse zu etwas gebracht haben, für gebildet genug halten, dass sie den GWS II beherrschen.

Fall Nr. 2: Der Nicht-Redner

In einem Beitrag über erfolgreiche Persönlichkeitstypen in Politik und Wirtschaft wird ein paar Seiten weiter die Frage gestellt, ob man „Nicht-Rednern beibringen kann, Massen so zu steuern wie einen Behördenapparat.“ Was ist ein Nicht-Redner? Im Zusammenhang ging es um die missglückte Kanzlerkandidatur Frank-Walter Steinmeiers, einem Politiker, zu dessen Aufgaben naturgemäß gehört, vor großen oder kleinen Menschenmengen Reden zu halten. Es ist also der schlechte Redner gemeint.

Wenn es so weiter geht, muss ich ein Buch darüber schreiben. Hier zur letzten Folge meiner Nicht-igkeiten.

One Response to Nicht- bleibt Trend
  1. […] Seit dem letzten Mal hat sich einiges angesammelt. Am häufigsten findet sich wohl die Nicht-Einhaltung. Dieses Wort muss man dem Ursprung nach Juristen und anderen Bürokraten zuschreiben, die eigentlich […]


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