Mitarbeiter der Filmbranche dachte ich mir als kulturinteressiert, gebildet und damit des Deutschen mächtig. Doch auch sie zerschellen am Genitiv.

(24.1.2015) Gestern im Kino sahen wir „Die Entdeckung der Unendlichkeit“, die Verfilmung von Stephen Hawkings Schicksal. Am Ende traute ich meinen Augen kaum, erschien doch vor dem Abspann eine Schrifttafel mit zwei Sätzen zum Fortgang der Handlung, und der letzte Satz hieß:

Den Ritterschlag von der Queen hat er nie entgegengenommen.

Ich verschied noch im Kino an Blitz-Augenkrebs. Von der Queen? Dativ? Ich dachte bis dahin, dass Mitarbeiter von Synchronstudios und/oder Filmverleihen auch etwas von Sprache verstehen, vorzugsweise sogar von den Eigenheiten ihrer Muttersprache. Und dass sie auch über Sprachgefühl verfügen, so dass die schlimmsten Rohheiten vermieden werden.

Vielleicht haben sie sich gefragt: „Von wem nahm Hawking den Ritterschlag entgegen?“, und kamen so vermeintlich auf den Dativ: „Von der Königin.“ Doch die richtige Frage lautet: „Wessen Ritterschlag nahm Hawking nie entgegen?“ Antwort: „Den der Königin.“ Also muss es da ein Genitiv stehen:

Den Ritterschlag der Queen hat er nie entgegengenommen.

Ich bin erschüttert, ehrlich. Ich wette, da arbeiten Absolventen von Sprachstudiengängen. Und dann so was. Es ist beschämend. Besonders medial wird häufig der Genitiv von einem Dativ verletzt, wie Sandra Schwarz in ihrem Blog schön dokumentiert. Dass der Dativ daher auf Sicht dem Genitiv sein Tod ist, wissen wir. Aber auch der Genitiv hat ein Recht auf einen würdevollen Tod.

Auch in diesem Blog war der mediale Missbrauch des Genitivs schon Thema.

2 Responses to Hawkings Genitiv
  1. “Still blüht der Stil: Warum ein Lektorat lohnt!” 🙂

    Gesten —> Gestern

    Roheiten —> Rohheiten

    … auch etwas von Sprache verstünden, …

    Und dass sie auch über Sprachgefühl verfügten, …

    Also muss da ein Genitiv stehen: …

    Aber auch der Genitiv hat das Recht …

    • Danke für die Hinweise. Ein Lektorat lohnt nach wie vor, insbesondere für Gedrucktes. Prinzipiell soll auch das Netz fehlerfrei sein, aber einen Blog wie diesen, mit seinem informellen, tagebuchartigen Charakter, darf auch der Charme eines gelegentlichen Fehlers zieren. 😉 Aus der Werkstatt darf ich berichten, dass auch die automatische Rechtschreibkorrektur so manchen Fehler produziert: Gut gemeint, aber nicht immer gut gemacht.


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