Die Wahl zum Wort des Jahres fiel in diesem Jahr auf eine nette Nichtigkeit: Lichtgrenze.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat das Wort des Jahres gekürt. Die Wahl fiel auf Lichtgrenze. Ich verstehe nicht, wie die Jury denkt. Die Lichtgrenze ist ein schönes, weil bildstarkes Wort, es gehört zu einem schönen Event, aber es hat keine Relevanz. Erst recht nicht gegen die Konkurrenz. Wieso nimmt man sich und seiner an schönen Wettbewerbsidee ohne Not den Wind aus den Segeln, indem man so eine schwache Entscheidung trifft?

Die Alternativen hießen unter anderem

  • schwarze Null,
  • Rußlandversteher,
  • Willkommenskultur oder auch
  • Freistoßspray.

Jeder einzelne dieser Begriffe wäre besser gewesen, selbst der aus dem Sport, denn jeder von ihnen kennzeichnet ein Ereignis, dass die Leute bewegt hat oder noch bewegt. Die Lichtgrenze dagegen ruft erstmal Stirnrunzeln hervor: Woher kommt das Wort? In welchem Zusammenhang steht es? Ach ja, Berlin, die leuchtenden Ballons auf der Mauer. Eine nette Nichtigkeit. Ich habe eine kleine Privatdemoskopie gemacht, und ich wette, bei den Alternativen wäre das nicht passiert. Um Missverständnissen vorzubeugen: Zweifellos ist die deutsche Wiedervereinigung ein wichtiges Thema, ihr 25. Jahrestag auch, aber die Party dazu deutlich weniger.

Die Willkommenskultur dagegen repräsentiert das ganze Elend der Zuwanderung, die schwarze Null stellt schön bildhaft die historische Chance auf einen ausgeglichenen Haushalt dar, was angesichts der himmelweiten Budgetdefizite in ganz Europa ein echtes Wunder wäre (und ja auch nur Spiegelfechterei ist, aber das ist eine andere Geschichte.) Schließlich spricht der Nachrichtenmann in mir: Schlechte Nachrichten verkaufen sich besser als gute. Das mag zynisch klingen, ist aber erprobte Realität. Infolgedessen ist ein Wort des Jahres, das mit der guten Nachricht von 25 Jahren Wiedervereinigung verbunden ist, schwächer als eins wie der Rußlandversteher, in dem Putin und die Ukraine sich widerspiegeln.

Hier die ganze Liste, hier mein Beitrag zum Wort des Jahres vom vergangenen Jahr – Groko. Das war übrigens  besser.

5 Responses to Das Wort des Jahres 2014: Irrelevant
  1. […] habe es schon beim Wort des Jahres kritisch angemerkt: Wenn solche Wahlen praktisch bedeutsam sein wollen, müssen Sie sich auf […]

  2. […] Fehlentscheidungen der letzten Jahre, die denn auch unmittelbar im Orkus verschwanden: Lichtgrenze (2014) anyone? Oder Rettungsroutine (2012)? Vergessen. Dagegen waren der Wutbürger (2010) oder […]

  3. […] Wie andererseits Worte von Jurys gekürt werden, die schon nach kurzer Zeit vergessen sind, belegen Veranstaltungen wie das Wort des Jahres. Erinnert sich jemand an Lichtgrenze? […]

  4. […] hätte heute wohl etwas über das Jamaika-Aus schreiben sollen, das zum Wort des Jahres gekürt wurde. Doch es wäre eine Pflicht- und Fingerübung geworden, daher lieber ein Beitrag, der […]

  5. […] man es zwar kurzfristig in die Tagesschau, sich auf Sicht aber selbst ab. Das habe ich zwar schon öfter geschrieben, aber richtig bleibt es […]


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