Holprige, hässliche Relativsätze repariert man am besten durch Verzicht.

(27.9.2014) Gelegentlich wird bei uns daheim das Fachgespräch geführt, um die kleinen Hässlichkeiten in Manuskripten oder Artikeln zu beseitigen. So fragte mich die Gattin gestern, ob ich „etwas, was“ oder „etwas, das“ schreibe. Die Hauskorrektur ihres Verlages redigiere nämlich dudengemäß in alle Texte „etwas, was“, vorausgesetzt, es folge etwas Unkonkretes, was meist der Fall sei. „Etwas, das“ werde nur dann verwendet, wenn etwas Konkretes im Relativsatz folge. Gleichzeitig sei „etwas, was“ wegen der Silbenwiederholung nicht besonders elegant. „Aha“, dachte ich und ließ die Information sacken, weil ich die Sinndifferenzierung ziemlich, äh, akademisch fand, die ästhetische Frage dagegen gut nachvollziehen konnte.

Versteckter Anglizismus?

Das Problem tritt öfter auf, ein weiteres Mal vermute ich in seinem Auftreten einen versteckten Anglizismus. Mit verstecktem Anglizismus bezeichne ich den Umstand, dass sich nicht ein Wort, sondern eine grammatische Komponente ins Deutsche einschleicht. „That’s not, what I’m looking for“, wäre z.B. ein typisch englischer Satz, und der brave Deutsche macht daraus typischerweise „Das ist nicht das, was ich suche“. Und schon hat man diesen holprigen, hässlichen Relativsatz am Hals. Doch wie loswerden?

Relativsatz reparieren

Der ist im Deutschen vermeidbar, sofern man den Mut hat, sich von der wörtlichen Übersetzung zu lösen. Zwei Schritte:

1. Relativpronomen präzisieren

Das Deutsche hat nämlich eine größere Zahl Relativpronomen als „who“, „what“ oder „which“. Hier böte sich an, was gegen wonach auszutauschen:

Das ist nicht das, wonach ich suche.

2. Auf Relativsatz verzichten

Das ist die konsequente gedankliche Fortsetzung von 1. – wir lösen den Relativsatz auf, in dem wonach durch danach ersetzt und der Satz zu einem Hauptsatz verkürzt wird.

Danach suche ich nicht.

Und schon hat man das Problem mit „etwas, das“ vs. „etwas, was“ gelöst, weil es sich gar nicht stellt.

Dem Relativsatz widmete ich einen meiner ersten Einträge – damals ging es um einen Relativsatz im Relativsatz.

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