Eine Kopie ist übersetzt ein falscher Freund, wenn Exemplar gemeint ist. Über ähnlichen Klang, aber unterschiedliche Bedeutung englischer Ursprungswörter.

ORF-Progammankündigung (Bildschirmfoto): 1,6 Millionen verkaufte Kopien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(13.2.2014) Neulich, in der Programmankündigung des ORF: Da wurde eine Verfilmung nach einem Buch Henning Mankells angekündigt, das in Deutschland und Österreich 1,6 Millionen Kopien verkauft hat – s. Abb. Kopien? Bestimmt wurde eine Druckmaschine statt eines Fotokopierers benutzt, um diese Menge zu erzeugen.

Ich wurde im Netz noch öfter fündig. So schrieb auch das Musikmagazin Musikexpress auf seiner Webseite, vom neuen Black Sabbath-Album seien 13.000 Kopien mehr verkauft worden. Auch in einem Buch über die Band „Tokio Hotel“ fand ich die Formulierung, „für 250.000 verkaufte Kopien der Single „Durch den Monsun“ kassierte die Band eine goldene Schallplatte“.

Ähnlicher Klang, unterschiedliche Bedeutung

In den drei Fällen handelt es sich um einen so genannten falschen Freund. Darunter verstehen die fleißigen Definiteure der Wikipedia „ein Paar aus einem fremdsprachigen Wort und einem Wort der Muttersprache, das sich in Schrift oder Aussprache ähnelt, jedoch in der Bedeutung deutlich unterscheidet“. Im Englischen spricht man von copies, was gern reflexhaft-wörtlich mit Kopien gleichgesetzt wird, obwohl man im Deutschen besser von Exemplar oder Stück spricht. Etwas freier wäre die Übersetzung mit -mal.

Ausnahme Computerspiel und Film

Eine Ausnahme sind anscheinend die Computerspiele, wo sich die Kopien etabliert haben, wohl weil sie oft via Download verbreitet werden; die industrielle Vervielfältigung, die den Code zu einem Gegenstand macht, fehlt überwiegend – es sei denn, es werden CDs verkauft.

Eine weitere Ausnahme sind die Filmkopien, denn in der Fotografie wird das Doppel eines Films fachlich so bezeichnet, sagt der Duden. Er definiert die Kopie jedenfalls als Ab- oder Durchschrift, originalgetreue Nachbildung eines Gegenstandes und abwertend als Nachahmung oder Abklatsch. Nichts davon trifft auf ein maschinell hergestelltes Druckwerk zu.

Weitere falsche Freunde sind übrigens auch, wenn etwas ausgerollt wird (von roll out); wenn die colloboration im Deutschen zur Kollaboration wird, wo ein gemeinsames Projekt viel schöner gewesen wäre; oder wenn das Network im Deutschen zum Netzwerk wird – das Netz täte es. Das sind nur drei aktuelle Beispiele, eine längere Liste finden Sie in der Wikipedia.

Über die Gefahren wörtlicher Übersetzung habe ich mit anschaulichen Beispielen schon einmal gebloggt: Wie Sie nicht den falschen Baum hochbellen.
One Response to Kopien sind Exemplare
  1. […] aber auch Österreicher, denn inkludieren ist dort Teil des Sprachgebrauchs. Inkludiert ist kein falscher Freund, also eine Übersetzung, die durch die Wahl eines ähnlich klingenden Wortes in der Zielsprache den […]


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