Bei der Wahl zur Schlagzeile des Jahres 2013 gab es Wirbel um den Sieger. Die Trends und Traditionen, welche Zeilen mir besonders gefielen – und warum.

Weil die gute Headline zu meinen Lieblingsthemen beim Texten gehört, kann ich die Wahl der Schlagzeile des Jahres 2013 nicht unkommentiert lassen, auch wenn die Nachricht schon letzte Woche verbreitet wurde, etwa von Kress.

Demnach hat die Bild-Zeitung für ihren Sieg mit der Schlagzeile Yes, we scan Kritik einstecken müssen, weil diese Überschrift vorher schon im Netz kursierte und keine Eigenleistung war. Chefredakteur Kai Diekmann war konsequent und lehnte es ab, die Auszeichnung des Vereins deutsche Sprache anzunehmen.

Extreme Reduktion, voller Subtext

Bei aller berechtigen Kritik an der Bild-Zeitung kann man an Platz zwei der Siegerliste erkennen, dass die Zeilenmacher da ihr Handwerk beherrschen:

Wir gegen uns

als Schlagzeile zum deutsch-deutschen Champions League-Finale war und ist ein Geniestreich. Besser lässt sich Selbstbewusstsein und Zerrissenheit einer Fußballnation in drei Worten nicht zusammenfassen. Hier knüpft die Bild-Zeitung an ihre Tradition der extremen Reduktion bei vollem Erhalt des Subtextes an – man denke an Kinkel neuer Genscher,  Wir sind Papst oder Aus. Die Zeile wäre ein würdiger Sieger gewesen, wenn man nicht Politik für wichtiger als Sport hielte.

Punkten mit Politik . . .

Platz drei, die Vereinigte Stasi von Amerika über Edward Snowden und den NSA-Skandal, ist ein hübsches Wortspiel; ich meine aber, dass die politische Bewertung der Vorgänge wichtiger war als die Originalität der Zeile und daraus die gute Platzierung resultiert. Richtig geistreich und witzig war dagegen

Schwarz sieht rot, Rot sieht schwarz

aus dem Tagesspiegel über die schwierigen Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl.

. . . und mit Hö-hö-hö-Wortspielen

Insgesamt gefielen mir die ausgezeichneten Schlagzeilen besser als im letzten Jahr, als mit Politik. Macht. Einsam ein ziemlich lahmes Wortspiel die Nase vorn hatte, das nur von der Doppeldeutigkeit macht/Macht lebte. Allerdings finde ich die hohe Platzierung von

Obersalzberg entlässt alle Führer

das den neunten Platz belegte, eine ziemlich peinliche Entscheidung, weil man mit Nazis immer noch punkten kann. In der Geschichte ging es um die Scheinselbständigkeit der Museumsführer auf dem Obersalzberg. Wie Harald Schmidt kommentieren würde: „Er hat Autobahn gesagt – hö, hö, hö.“

Hier geht es zur vollständigen Gewinnerliste 2013, hier zu meinen Beiträgen über die Gewinner 2012 und 2011.

One Response to Die besten Schlagzeilen des Jahres 2013
  1. […] ein paar weitere Schlagzeilen-Highlights vergangener […]


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